Eine (Oster)-Hasengeschichte
Das Hasenfenster im spätgotischen Kreuzgang des Domes zu Paderborn gehört zu den Wahrzeichen der alten Kaiserstadt. Schon in römischer Zeit war die Darstellung der Hasen beliebt, wie sich dies durch verschiedene Darstellungen erkennen lässt. Zahlreiche römische Öllampen sind in Form von Hasen abgebildet.
Im Hochmittelalter treten die Hasen auch in den Dienst der christlichen Zahlenmystik, indem sie die Einheit in der Dreiheit verdeutlichen (drei Hasen im Kreis herumspringend): die göttliche Dreieinigkeit, die über alles wacht, alles sieht und alles hört.
Beim Betrachten des "Drei-Hasenfensters" soll nicht das Tier als solches im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem dessen Ohren beziehungsweise "Löffel". Jeder Hase hat zwei Ohren; und doch sind es zusammen nur drei. Oder jedes eigene Hasenohr gehört zugleich einem "Kollegen".
Kunstforscher sind sich heute einig, dass es sich (beim Hasenfenster) ursprünglich um ein Lichtsymbol handelt, welches Bezug nimmt auf die kreisende Bewegung des Mondes, der mal ganz, mal nur halb und mal gar nicht zu sehen ist. Somit stellen die drei Hasen ein tröstendes Symbol dar. Manches ist mehr, als es scheint, Manches ist noch verborgen. Und wie man die drei Fenster-Hasen erst im Licht der Sonne erkennt oder der Mond seine Fülle nur zum Leuchten bringt, wenn er ganz der Sonne zugewendet ist, so gilt dies auch von der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden.
Nur Gott zugewandt kann können die Menschen das Licht finden. Und herrscht Dunkelheit vor, so verleiht unser Bild Hoffnung: Die Sonne ist nicht weg, nur weil wir vom Mond zurzeit nur die dunkle Seite erkennen. Das zweite Ohr ist da, es kommt eben auf den Blickwinkel an. Es liegt auch an dem Betrachter, was er sehen will. Die dunkle Seite oder die Hoffnung auf mehr Licht.
Pfarrer Richard Posch
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