Woher kommt Allerheiligen?
Sammelfeste aller Märtyrer, aller Heiligen aber auch der Heiligen einer bestimmten Region gab es zunächst im Umkreis von Ostern. Das älteste Beispiel fand sich bei Johannes Chrysostomus im 4. Jahrhundert. Es handelte sich um das Herrenfest aller Heiligen, welches in Antiochien eine Woche nach Pfingsten gefeiert wurde. Grund für die Nähe zu Ostern lag im Paschamysterium selber (die Heiligen sind dem Herrn in seinem Leiden nachgefolgt). Die lateinische Kirche übernahm zunächst diesen Termin. Ein spezifisch römisches Allerheiligenfest entstand im 7. Jahrhundert durch die jährliche Feier der Kirchweihe des Pantheons in Rom zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Märtyrer.
In Irland entstand ein Fest aller Heiligen Europas, welches zunächst auch um Ostern gefeiert wurde (20. April). Aber gerade dort stellte man sich an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert um und verschob, ohne auf den Zusammenhang mit Ostern zu achten, den Termin auf den 1. November, der zugleich als Winteranfang galt. Der Vorabend zu diesem Fest trägt noch heute bei den irisch geprägten Einwohnern der USA (und nicht nur dort!) in makaberen Bräuchen heidnische Züge, auch wenn die Bezeichnung "Halloween" an das christliche Allerheiligenfest erinnert.
Der "neue" Termin von Allerheiligen (1. November) wurde im 9. Jahrhundert durch Päpste und Fürsten gefördert und bis auf den heutigen Tag beibehalten, wobei nicht mehr das Ostermysterium im Mittelpunkt stand, sondern die vergehende Natur, über der die unvergängliche Welt der Heiligen sichtbar wird. Auch der Gedenktag Allerseelen wurde nach der Regel Isidors von Sevilla an Pfingstmontag begangen, in Cluny nach dem Dreifaltigkeitssonntag. Vom 9. Jahrhundert an setzte sich als jährlicher Totengedenktag der Tag nach Allerheiligen durch.
Pfarrer Richard Posch
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