Paulus ... und die Frauen?
Damit assoziieren in einer Zeit fortschreitender Frauenemanzipation nicht nur feministische Theologinnen meist spontan Chauvinismus, Frauenfeindlichkeit, patriarchale Unterdrückung. Um es gleich vorwegzunehmen: Nichts wird Paulus weniger gerecht als diese Etikettierungen. Doch lässt sich eine solche Fehleinschätzung vermeiden oder wenigstens korrigieren. Dazu bedarf es allerdings einer differenzierten Wahrnehmung der unter dem Namen des Paulus überlieferten Briefe.
So ist es in der neutestamentlichen Forschung schon lange Konsens, zwischen den sog. Protopaulinen bzw. echten Paulusbriefen (1 Thess, 1.2 Kor, Gal, Röm, Phil und Phlm) und den sog. Deuteropaulinen (Kol, Eph, 2 Thess, Past [1.2 Tim, Tit]) zu unterscheiden. Die Deuteropaulinen sind Briefe, die sich nach dem Tod des Apostels an die von ihm gegründeten Gemeinden (bzw. im Fall der Pastoralbriefe an deren Leiter) wenden. Unter Berufung auf seine Autorität werden jetzt Weisungen in eine sich stetig wandelnde Gemeindesituation hinein ausgesprochen.
Im Blick auf Stellung und Funktion von Frauen in paulinischen Gemeinden ist dabei eine zunehmende Verengung der Spielräume in den rund fünf Jahrzehnten von Paulus bis zu den Pastoralbriefen am Ende des 1. Jh. n. Chr. zu beobachten. Dies wirft Fragen auf. Zunächst: Welche Möglichkeiten aktiver Mitarbeit in den Gemeinden standen Frauen eigentlich offen? Gab es dabei signifikante Unterschiede zu den Männern? Sodann: Was veranlasste den Verfasser der Pastoralbriefe, sich nachdrücklich für eine massive Verdrängung von Frauen aus gemeindlichen Funktionen einzusetzen? Welche
Ansatzpunkte boten sich ihm dafür?
Diesen Fragen nachzugehen ist unverzichtbar. Entwicklungen samt ihren Voraussetzungen zu erkennen, bedeutet nämlich zugleich, dem Ergebnis, zu dem sie führen, jeden Absolutheitsanspruch zu nehmen.
Mehr Information dazu am 19. Februar um 19.30 Uhr in St. Michael beim Gemeindeabend mit Dr. Andrea Taschl-Erber.
Pfarrer Richard Posch
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