Einige Gedanken eines Priesters zum "Jahr des Priesters"
Es ja grundsätzlich nicht schlecht, dass man beginnt, sich Gedanken über die Rolle des Priesters zu machen. Neulich las ich einen Aufsatz des bekannten Neutestamentlers Klaus Berger zur Rolle des Priesters in der heutigen Zeit: "Vor allem ist nach meinem Eindruck ein Priesterbild abhanden gekommen, das noch anziehend sein könnte, denn bis auf das Sprechen der Konsekrationsworte und die Absolution bei der Beichte sei fast alles auf Laiengremien übergegangen, könnte man denken".
Dazu ist zu bemerken, dass ich diesen Eindruck in meiner Tätigkeit in der Pfarrgemeinde nicht habe. Bei einigen Aufgaben, wäre es meiner Meinung nach wünschenswert, wenn das Bewusstsein "dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen" anzugehören in den Gemeinden stärker wäre. Es gibt nur einige wenige Gemeinden, wo dieses Bewusstsein stärker ausgeprägt ist und ich denke, dass es recht spannend wäre, in diesen Gemeinden als Priester zu wirken.
"Heiligkeit meint gerade die Distanz. Mit dem Verzicht auf sinnfällige Darstellung der Heiligkeit verschwindet das Berufsmerkmal Radikalität". Die Frage ist was mit der "sinnfälligen Darstellung der Heiligkeit gemeint ist". Ist damit die unter Priesteramtskandidaten zu beobachtende größere Bereitschaft, in der Soutane zu wandeln gemeint? Zur Heiligkeit sind, so heißt es im Taufrituale, alle Getauften berufen. Sie sind es unabhängig von jeder hierarchischen Ordnung. Auch dieses Bewusstsein darf wachsen.
Was ist mit Distanz gemeint? Es darf ruhig eine gewisse Distanz geben zu Karrieredenken und zu materiellem Überfluss. Hier gibt es gewiss unter vielen von uns Priestern noch Lernbedarf. Aber wenn uns immer wieder in der Hl. Schrift vor Augen gestellt wird, wie Jesus unter die Leute geht, mit ihnen isst, trinkt und feiert, so meine ich, dass gerade diese Nähe einladend und ansteckend wirken kann.
Radikalität kann eine solche Nähe bekommen, wo gerade in Situationen der Bedrängnis der "Hirte" bereit ist, sein Leben für die Herde aufs Spiel zu setzen. Gott sei Dank hat es immer wieder in der Geschichte des Glaubens solche Hirten gegeben. Es waren Hirten, die sich die Gesinnung Jesu immer mehr zu Eigen gemacht haben.
Ich erlaube mir in den nächsten Gemeindeblättern immer wieder Gedankensplitter zum Priesteramt niederzuschreiben.
Richard Posch
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