Wie im letzten Gemeindeblatt versprochen gibt es auch jetzt wieder (anlässlich des Priesterjahres) weitere Gedankensplitter zum Thema Priester.
Wieder kommentiere ich Zitate des Neutestamentlers Klaus Berger:
"Der Priester ist dazu berufen, im umfassenden Sinn ein lebendiges Stück Anschauung für christliche Existenz zu sein (Hier ist nicht unbedingt von Vorbild die Rede), ähnlich wie es gegenüber den sesshaften Christen des Anfangs (die es immer gab) die wandernden Boten des Glaubens waren. Der Priester ist im besonderen Sinn der Erbe der Wandercharismatiker des Anfangs."
Auch wenn ich selber ein Mensch bin, der gerne reist, ist hier klar, dass es hier um ein anderes "Unterwegssein" gehen muss. Es geht hier sicher auch um geistige Mobilität, die auch Wachsamkeit genannt werden könnte.
Aber die Tradition, dass etwa ein Jesuit von einem Einsatzort zum Nächsten nur mit zwei Koffern ziehen darf, hat für mich als Pfarrer, der ich bei meinem letzten Umzug vier Klein-LKW Fuhren von meiner letzten Pfarre hierher mitgenommen habe, etwas bewundernswertes. Die Forderung, dass man nicht zum Sklaven seines Besitzes werden darf, hat schon eine lange Tradition im Christentum
"Dabei ist das Wandern nicht unbedingt wörtlich zu nehmen. Das ist übrigens eine Antwort darauf, warum in den drei ersten Evangelien die Wandercharismatiker, die "alles aufgaben", in der Nähe Jesu dargestellt werden - und nicht die sesshaften Christen, die es zur Zeit der Evangelisten jedenfalls sicher auch schon gab, allein schon deshalb, weil jemand die wandernden Glaubensboten aufnehmen und verpflegen musste. Die Apostel in der Nachfolge Jesu waren das Bild, das Orientierung gab".
Ein immer wieder umstrittenes Zeichen für die Verfügbarkeit ist die Ehelosigkeit, die dem Priester in der römisch-katholischen Kirche vorgeschrieben ist. Es muss ganz nüchtern gesagt werden, dass der Verzicht auf Ehefrau und Familie die physische Mobilität leichter macht. Allerdings glaube ich daran, dass ein guter Ehemann auch ein guter Priester wäre.
Richard Posch
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