Frauenrunde

Besuch am Friedhof der Namenlosen (Albern Hafen)
und in der Pfarrkirche Kaiserebersdorf (Heimatgemeinde von Katharina Halper)

am 4.November 2010


Versteckt im Albener Hafen hinter großen Speichergebäuden liegt der Friedhof der Namenlosen. Es sind die, meist unbekannten, Ertrunkenen aus der Donau, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Ein kleiner Friedhof mit schmiedeeisenen Kreuzen und eine runde Kapelle aus den Dreißiger Jahren. Jede von uns zündet Kerzen an einigen Gräbern an.

Am Donauufer wundern wir uns über viele, riesige Pfeiler mitten im Wasser und erfahren von einem Arbeiter, dass sie erst vor Kurzem aufgestellt wurden, der Hafen wird verlegt und ein Hochwasserschutz gebaut.

Ganz in der Nähe ist die Heimatpfarre von Katharina: Kaiserebersdorf. In der Pfarrkanzlei wartet schon Herr Fraisl auf uns. Humorvoll und kurzweilig erzählt er viel Interessantes über Kirche und Pfarre. Die Kirche ist hell und freundlich, wir fühlen uns gleich wohl darin. Der Rest eines schönen, alten Glasfensters in der Wochentagskapelle hat uns am meisten beeindruckt. Wir hören von(m) Peter Paul Strudel (nicht zum Essen, sondern Gemälde), von Hochwasser, vom Wolken-Volksaltar aus schwarzem statt grünen Marmor und vom wandernden Taufbecken, schauen in die Sakristei und steigen zur Orgelempore hinauf. Zu dem Muttergottesbild "Maria am Baum" - früher hing es an einer Eiche - heute ist es am Hochaltar, der originale Eichenstamm ist hinter dem Altar zu sehen - kommen regelmäßig Wallfahrer aus St. Othmar, allerdings nicht die Mödlinger, sondern aus dem 3. Bezirk Unter den Weisgerbern.
An der Außenmauer bewundern wir die Sonnenuhr (wir kontrollieren, ja sie geht richtig!) und hören die Mittagsglocken.

Von Katharina erfahren wir, was sie seinerzeit im Heimatkundeunterricht gelernt hat:
Im ehemaligen Jagdschloss ist heute eine Strafanstalt untergebracht, der Kaiser jagte dort Eber - möglicherweise auch Einhörner? - jedenfalls ist im Wappen von Kaiser Eber(s) Dorf ein Einhorn, ein solches ist neben gekreuzten Fischen und einem S auch im Simmeringer Wappen - wir befinden uns im 11. Bezirk. In einem anderen kleinen Schloss - Thürnlhof - (heute ein Restaurant) zwischen Kirche, Schule und Jagdschloss hat sogar Napoleon einmal übernachtet!

Nach Kaffee und Kuchen in einer netten Konditorei zeigt uns Katharina auf dem Nachhauseweg noch ihr Elternhaus. Ihre Familie ist hier seit vielen Generationen ansässig und besitzt ein sehr großes Grundstück, der Gebäudekomplex der alten Schmiede wurde erst kürzlich renoviert. Katharina erzählt uns, dass in ihrer Kindheit hier rundherum viele Felder waren, wo nun große Wohnhausanlagen (Leberberg) stehen.

Obwohl wir gebürtige Wienerinnen sind, haben wir heute Neuland betreten und einen für uns vorher unbekannten Teil von Wien kennen gelernt.

Text: Heidi Kolomaznik; Fotos: Elisabeth Müller


Frauenrunde 2010-11-04

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aktualisiert am 07-Nov-2010
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