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Pfarre St. Othmar / St. Michael |
Frau Stefi Gamauf aus unserer Pfarre St. Othmar / St. Michael arbeitet derzeit direkt in Tijuana in diesem Projekt. Hier ist der aktuelle
"Jugend Eine Welt"
Die Entscheidung, ein Jahr als Freiwillige ins Ausland zu gehen, habe ich schon sehr früh getroffen. Neue Kulturen kennen lernen, neue Welten entdecken und ein Jahr abseits von allem Gewohnten etwas Sinnvolles zu tun, das hat mich schon immer gereizt. Erst als ich mich bei der Organisation "Jugend Eine Welt" angemeldet habe, ist dieser Traum real geworden. In Gemeinschaft von ungefähr 20 anderen Jugendlichen habe ich mich sechs Monate darauf vorbereitet, ein ganzes Jahr in einem der vielen Projekte des Salesianer-Ordens tätig zu sein.
Tijuana gibt ein tristes Bild ab
Mittlerweile arbeite ich schon sieben Monate hier in Tijuana, Mexiko, als Volontärin und die Zeit vergeht wie im Flug.
Tijuana liegt an der Grenze zu San Diego, USA. Zurzeit leben hier ungefähr 3 Millionen Einwohner, doch diese Zahl nimmt stetig zu. Jährlich wandert eine Vielzahl Mexikaner ein, auf der Suche nach Arbeit oder mit der Hoffnung, in die USA übersiedeln zu können. Die Mehrheit der Leute arbeiten in sogenannten "Maquiladoras", Fabriken zur Herstellung von Exportprodukten. Die Löhne sind gering (ein Arbeiter verdient durchschnittlich 700 Pesos = 700 Schilling in der Woche bei Lebensmittelpreisen die etwa den unseren entsprechen) und die Arbeitsbedingungen erschreckend.
Auf Grund der mangelnden Chance auf Bildung bieten sich die Maquiladoras jedoch als einizige Alternative an, da weder nach Schulkenntnissen noch nach Papieren gefragt wird. Wer schneller und einfacher zu Geld kommen will, steigt ins Drogengeschäft ein, was vor allem in den Armenvierteln zu sicherem Gewinn führt, da sich dort die Polizei kaum blicken lässt, abgesehen davon ist Mexiko ein Land, in dem die Korruption regiert. Die Drogendealer, die ich kennen gelernt habe, zahlen monatlich ihren Beitrag und können ungehindert weiterhandeln.
Alles in allem kann man sagen, dass Tijuana ein sehr tristes Bild abgibt.
Salesianer-Priester Raul Curiel Ruvalcaba vollbrachte Wunder
Von Dienstag bis Freitag (Montag ist unser freier Tag) unterrichte ich in der Volkschule, die Padre Raul vor vier Jahren gegründet hat. Wobei ich als Aushilfslehrerin zur Verfügung stehe, mich jedoch vor allem um die lernschwachen Kinder der 1. Klasse kümmere. Danach bin ich für die Sauberkeit der Klassenzimmer zuständig, wobei es darum geht, dass die Kinder selbst die Räume sauber hinterlassen, denn den Luxus der Schulputzfrau gibt es hier nicht. Mittag gegessen wird in den in der Nähe des Oratriums beheimateten Familien, was vor allem für mich eine unglaubliche Erfahrung ist. Denn so bekommt man die Chance, direkt das Leben der Armen kennen zu lernen und gewinnt den Kontakt zu den Menschen.
Den Nachmittag verbringe ich am Fußballplatz, spiele mit den Kindern und bringe die Jugendlichen dazu, dass sie den Platz sauber halten. Dabei komme ich direkt in Kontakt mit den drogensüchtigen Kleinkriminellen, die meist zwischen 14 und 20 Jahren sind. Die Beziehung zu ihnen hab ich mir erarbeiten müssen und mehr noch den Respekt, und es ist immer noch ein ständiger Kampf ihnen klarzumachen, dass das Oratrium ein drogenfreier Ort ist und auch sie hier ihren Beitrag leisten müssen. Die Arbeit mit ihnen ist wahrscheinlich meine schwerste Aufgabe. Aber gerade diese Jugendlichen brauchen die Aufmerksamkeit und Erziehung und man muss sie mit dem Herzen Don Boscos sehen, der genau für diese Menschen da sein wollte.
Ich bekomme viel zurück
Am Wochenende organisiere ich die Fußballliga und gebe Katechismusunterricht. Meine Arbeit ist Vollzeit und fordert unheimlich viel Kraft, aber sie lässt mich wachsen und neue Talente entdecken, sowie die Welt mit anderen Augen sehen. Ohne dass es mir so wirklich bewusst ist, bekomme ich Einblick in das Lehrerdasein, bin Sozialarbeiterin, Sekretärin, Organisatorin, Animatorin und Religionslehrerin. Ob ich meine Sache gut mache kann ich nicht sagen. Ich bin mir schon jetzt sicher, dass ich hundert Mal mehr zurückbekomme als ich geben kann, vor allem hat sich meine Sicht erweitert, wofür ich sehr dankbar bin. Denn trotz all der Armut und Kriminalität, die hier herrschen, gibt es hier so viel mehr Wärme als bei uns.
Weitere Informationen zum Projekt
AUSGANGSSITUATION
Tijuana ist die nordwestlichste Stadt Mexikos und liegt direkt an der Grenze zu den USA. Aufgrund dieser speziellen Lage zieht sie sehr stark Migranten aus ganz Mexiko und Lateinamerika an.
Jährlich wächst die Bevölkerung Tijuanas um etwa 100.000 Menschen. Von den vielen, die hoffen, es über die Grenze zu schaffen, bleiben jedoch die meisten in Tijuana hängen. Das rapide Anwachsen der Stadt führt zu neuen sozialen Problemen.
Rasch entstehen neue Stadtteile am Rand von Tijuana, oft von Armut, fehlender Infrastruktur (Straßen, Strom, Abwasser), mangelnden Plätzen in den Schulen sowie Drogen, Kriminalität und Prostitution geprägt. Der derartig hohe Anteil an Migranten in Tijuana führt zu weiteren Problemen.
In den in den armen Stadtteilen gibt es viele Kinder und Jugendliche, denen der Zugang zum staatlichen Ausbildungs- und Gesundheitssystem aufgrund fehlender Dokumente versagt ist. Die daraus resultierenden Probleme sind Jugendarbeitslosigkeit und -kriminalität sowie Drogenprobleme.
DAS PROJEKT
Das Proyecto Salesiano Tijuana wurde 1987 gegründet und besteht aus sieben salesianischen Gemeinschaftszentren (Oratorien), die in den armen Randbezirken Tijuanas errichtet wurden.
Durch Bildungs- und Freizeitangebote sowie Pastoralarbeit in den Oratorien sollen vor allem die bedürftigsten Kinder und Jugendlichen die Chance auf eine allgemeine Ausbildung, soziale Integration und ein menschenwürdiges Leben haben.
Das Projekt vermittelt Kindern und Jugendlichen Bildung und handwerkliche Fähigkeiten. Durch Familiensozialarbeit, Kultur- und Sportveranstaltungen sollen sie und ihre Familien in eine Gemeinschaft eingebunden werden, sowie ein aktives Glaubensleben erfahren.
Die Hauptaktivitäten des Projekts sind
aktualisiert am 21-Sep-2008
Mitteilungen bitte an webmaster@othmar.at