am 19. Mai 2010
Beim Antritt unserer Fahrt wusste ich nicht so genau, wer sich beim Titel "Frühlingsfahrt" geirrt hatte: Petrus oder ich.
Nichts desto trotz waren wir zuversichtlich. Ohne Regenguss ging es los.
Unser Fahrer Herr Walter brachte uns fast pünktlich vor den Eingang der Pfarrkirche zur Hl. Margarethe in Marchegg. Dort erwartete uns schon unser Führer Herr Franz Hubek. Herrn Hubek habe ich anlässlich meines Besuches der Ausstellung über Napoleon im vergangenen Jahr eben in dieser Kirche kennengelernt. Als wir ins Gespräch gekommen waren, hatte er sich damals sofort bereit erklärt uns heuer zu führen.
Er tat dies ausgiebig und für alle hörbar mit Mikrophon. Es geht sich mit wenigen Zeilen nicht aus, alles aufzuzählen, aber hier nur die wichtigsten Angaben.
Marchegg wurde 1268 vom König Premysl Ottokar II. v. Böhmen - er herrschte damals in Österreich - als Bollwerk gegen die Ungarn errichtet. Die Weihe der Kirche zu Ehren der Hl. Margaretha erfolgte nicht zu Ehren seiner Gemahlin, Margarethe v. Österreich, von der er ja schon geschieden war, sondern weil er am Tag vor dem Fest der Heiligen im Jahre 1260 in der Schlacht von Groissenbrunn die Ungarn unter ihrem König Bela IV. besiegt hatte. Der Grundriss der Kirche hat Bezug zur Ummauerung der Stadt Marchegg und liegt genau in ihrer Mitte. Die Ausrichtung nach Osten ist derart, dass genau am Ostersonntag die Sonne im mittleren Fenster des Chorraumes aufgeht. Marchegg ist als planmäßig neu errichtete Stadt 1/4 größer als das 80 Jahre vorher gegründete Wiener Neustadt und so die größte ihrer Art in Europa. Bodenuntersuchungen in neuester Zeit ergaben, dass die Kirche dreischiffig und um 7 m länger als die heutige Kirche geplant war. Es sollte also nach dem Willen König Ottokars ein Dom errichtet werden. Der Verwirklichung des Gesamtplanes wurde durch den Tod des Königs 10 Jahre später in der Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen gegen König Rudolf I. v. Habsburg ein Ende gesetzt. Es besteht aus dieser Zeit leider nur der Chorraum der erst im 18. Jahrhundert durch die Herrschaftsbesitzer, die Fürsten Palffy ab Erdöd, mit einem wesentlich niedrigeren und kunstgeschichtlich unerheblichen Kirchenschiff zu einer "kompletten Kirche" ergänzt wurde. Neben dem imposanten gotischen Bauwerk selbst ist der geschnitzte sezessionistische "Herz Jesu" bzw. "Rosenkranz" - Seitenaltar aus 1909 ein bemerkenswertes Kunstwerk, da es in ähnlicher Art aus dieser Zeit nur drei Altäre in der Welt gibt.
Nach der Kirchenführung ging es in die Kapelle der Johannesgemeinschaft. Auch hier gibt es einiges Erwähnenswertes. Kirche, Kloster und Gemeinschaft stammen aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. Die Kirche selbst ist aus Holz errichtet. Der Altartisch wurde an Ort und Stelle aus einem einzigen Kalkblock aus Bad Deutsch-Altenburg gemeißelt. Die zwölf tragenden gewaltigen Holzständer entsprechen den zwölf Aposteln und sind eine Spende von Kardinal Schönborn. Die warme und beruhigende Atmosphäre des Holzbaues luden zum Verweilen und Insichgehen ein.
Unser Pfarrer hielt mit uns eine Andacht und wir beteten ein Gesetzchen des Rosenkranzes.
Hungrig und ausgekühlt ging es ins Gasthaus Nagl-Hager, wo wir uns aufwärmen und laben konnten.
Da die Zeit schon etwas knapp war, fuhren wir alle gemeinsam zum Aussichtspunkt der Storchenkolonie. Wir konnten nur am neu errichteten Damm gehen, da die March Hochwasser führte und die Au unter Wasser lag. Trotzdem konnten wir einige Störche in ihren Horsten bei der Brut erblicken. Auch einige Reiher, die wenige hundert Meter weiter ihre Nistplätze haben, überflogen uns auf ihrem Heimweg. Ein kurzer Blick in den Schlossgarten mit seiner riesigen Platane beendete unseren Ausflug.
Marchegg ist leider zu Unrecht, viel zu wenig bekannt und hat uns überrascht. Die Stadt liegt ganz in der Nähe der bekannten Marchfeld-Schlösser Schloss Hof und Niederweiden des Prinzen Eugen, hat selbst viel Kulturelles und Historisches zu bieten und als Sahnehäubchen: Natur pur.
Gegen 18:15h trafen wir alle wohlbehalten in St. Michael - unserem Ausgangspunkt - ein.
Sollten Sie nun lieber Leser, Lust auf einen Marchegg Besuch bekommen haben: eine Ausstellung über Ottokar, in der auch Kostüme aus der ersten Aufführung des Burgtheaters von Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende" nach dem Ende des zweiten Weltkrieges zu sehen sind, läuft noch bis 26. Oktober.
Waltraud Bauer






aktualisiert am 29-Mai-2010
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