Die Kirchenglocken von St. Othmar

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Glocken im Karner

Frauenglocke
Frauenglocke im Karner, 1698

Seit mehr als dreihundert Jahren dient der Mödlinger Karner als Glockenturm. Der Dachreiter auf dem mächtigen Dach der Othmarkirche ist nicht geeignet, große Glocken aufzunehmen. Die Mödlinger wollten jedoch größere Glocken, weillen das klainer geleutt so gar nit helfen will. Die zu kleinen Glocken wurden auch für Hagelschäden in den Weingärten verantwortlich gemacht.

Die erste Erwähnung, dass auf dem Karner ein Glockenstuhl war, stammt aus 1675. Vor 1683 befanden sich vier Glocken im Gesamtgewicht von 60 Zentnern in einem Aufsatz des Karners, der im Verlauf des Türkenkrieges zerstört wurde. Möglicherweise war dieser Aufsatz aus Holz, vielleicht befanden sich die Glocken aber im Inneren des ursprünglichen Spitzkegeldachs des Karners. Ein Indiz dafür wären die Fenster, die auf einem Stich von Merian 1649, entstanden vermutlich um 1625, erkennbar sind.

1690 wurde beschlossen, den "alten Glockenturm" zu erhöhen, da ein neuer Glockenturm 20000 Gulden - und den Abriss des Karners(!) - gekostet hätte. 1698 wurde der Bau des barocken Aufsatzes mit doppeltem Zwiebeldach vollendet.

Vom Kaiser erhielten die Mödlinger 50 Zentner Kanonenmetall zum Glockenguss bewilligt. 1698 wurde der Wiener Glockengießer Zechenter beauftragt, vier Glocken zu gießen "so wie die vier Glocken, die vor dem Ruin da waren". Die Preisangabe schwankt zwischen 3328 und 3809 Gulden, "was sehr allmählich in Wein abgezahlt wurde".

Am 28. Dezember 2005 brachte der ORF im Rahmen der Sendung "Niederösterreich Heute" unter dem Titel "Kulturerbe / Historischer Glockenkarner" einen Bericht über die Mödlinger Glocken und den Karner.


Restitutaglocke

Durchmesser 91 cm, 475 kg, Ton: a'

Die Glocke wurde am 28. März 2003 in Innsbruck von der Glocken- und Kunstgießerei J. Grassmayr gegossen.

Bildbericht vom Glockenguss ...

Geweiht wurde sie am 16. November 2003, dem Fest des hl. Othmar, durch Altbischof Dr. Franz Xaver Eder von Passau.

Einladung zur Glockenweihe ... | Bericht von der Glockenweihe ...

Beata Restituta ora pro nobis - Selige Restituta, bitte für uns!
Diese Aufschrift befindet sich auf der neuen Glocke für St. Othmar. Eine zweite Aufschrift erinnert daran, dass Mödling im Jahr 903 in einer Schenkungsurkunde des Bischofs Madalwin von Passau erstmals erwähnt wurde:
Millesimo centesimo anno Medlingensis - Im Jahr 1100 der Stadt Mödling.
Auf der Glocke befindet sich ein Relief des Mödlinger Wappens.

BEATA
RESTITUTA
ORA
PRO NOBIS
MILLESIMO
CENTESIMO
ANNO
MEDLINGENSIS
MICH GOSS J. GRASSMAYR - INNSBRUCK 2003

Seit Jahrhunderten bestand das Geläute der Pfarrkirche St. Othmar aus vier Glocken. Die vierte Glocke, die erst 1921 gegossene Heldenglocke, ging im 2. Weltkrieg an die Rüstungsindustrie verloren, nachdem ihre Vorgängerin im 1. Weltkrieg eingeschmolzen worden war. Durch die neue Restitutaglocke wurde das Geläute nun wieder vervollständigt. Die Initiative für die neue Glocke ging von Altpfarrer Prälat Wilhelm Müller aus. Die Gesamtkosten inkl. Transport und Aufhängung betragen ca. € 17000.

Restitutaglocke Restitutaglocke
Restitutaglocke, 2003

Die Glocke wurde am 17. Nov. 2003 im Karner montiert.

Bilder von der Montage der Glocke ...

Leider ist bei dieser Glocke im Jahr 2013, also in einem für eine Glocke jugendlichen Alter von 10 Jahren, der Klöppel gebrochen, die Reparatur wurde durchgeführt.


Pantaleon- oder Christophorusglocke

Durchmesser 106 cm, ca. 800 kg, Ton: fis
umgegossen 1723 in Wien von Franz Zechenter, ursprünglich vor 1700 gegossen
am 10. März 1942 beschlagnahmt, im Herbst 1945 zurückgebracht

Auf der Glocke befinden sich Reliefdarstellungen des hl. Pantaleon und des hl. Christophorus sowie folgende Inschriften:

GOSS MICH FRANZ ZECHENTER IN WIENN ANNO 1723
S: PANTALEON
IOHANN MICHAEL PFEIFER
DERZEIT MARCKHT RICHTER ALHIER
Christophorus- oder Pantaleonglocke Hl. Christophorus
Christophorus- oder Pantaleonglocke, 1723 Hl. Christophorus
Christophorusglocke
Christophorusglocke im Karner, 1723

Othmarglocke

Durchmesser 123 cm, ca. 1100 kg, Ton: e
gegossen 1698 in Wien von Franz Zechenter
am 30. Jänner 1942 beschlagnahmt, im Herbst 1945 zurückgebracht

Auf der Glocke befinden sich eine Reliefdarstellung des hl. Othmar mit Weinfässchen sowie ein etwas undeutliches Relief einer Figur mit Lanze, das den hl. Michael oder den hl. Georg darstellt. Weiters befinden sich folgende Inschriften auf der Glocke:

GOSS MICH FRANTZ ZECHENTER IN WIENN ANNO 1698
S. OTMAR
Othmarglocke St. Othmar
Othmarglocke, 1698 St. Othmar

(Lieb-)Frauenglocke

Durchmesser 145 cm, ca. 2200 kg, Ton: c
gegossen 1698 in Wien von Franz Zechenter

Die Glocke musste am 2. März 1942 für Kriegszwecke abgeliefert werden, sie wurde im Herbst 1945 wieder zurückgebracht. Beim Transport hatte sie aber einen Riss erlitten, sie konnte erst ab 29. April 1973 (Segnung durch Erzbischof Schoiswohl) nach einer Reparatur (Fa. Haslinger) wieder geläutet werden.

Auf der Glocke befinden sich eine Reliefdarstellung der hl. Maria sowie folgende Inschriften, da beschlossen worden war, auf die Glocke den "völlig innern rat und das Mödlingerische wappen item unsrer lieben Frauen bildt und hernach volgendten rheimb zusetzen":

GOSS MICH FRANNTZ ZECHENNTER IN WIENN ANNO 1698
DARVMB WIRDT ICH GENANNT EIN GLOCK
DAS ICHS CHRISTLICH VOLK ZVSAMB LOCK.
EIN STARKS GEBETH SAMBT MEINER KLANG
MACHT DEM TEVFFL IN LVFFTEN BANG.
IVDEX
THOMAS : WEISS : VON WEISSENAV
PAVL : PALLOWIZ
IOH : GEROG : KÄPFF
HEINRICH : PAVENSTETT
IOH : GEORG : HONIG : M : KAMER
CASPAR : PRAND
IOH : MICHAEL : VÖGL
CHRISTOPH : VNTERBERGER
IOH : CHRISTOPH : MOLITOR
IOHANN : HARTVFF
IOH : AVGVSVTIN : VÖGL
IOH : ADAM : KRIEGHER
LEOPOLD : KHVZHAMER : MARCK : SCHREIBER

Marktrichter Christoph Molitor und weitere in der Inschrift erwähnte Mitglieder des inneren Rates wurden in der Othmarkirche begraben, die Grabsteine sind noch vorhanden.

Frauenglocke Frauenbild
Frauenglocke, 1698 "unsrer lieben Frauen bildt"
auf der Frauenglocke

Ehemalige Glocken im Karner

In den Jahren 1698 bzw. 1723 wurden insgesamt vier Glocken für St. Othmar gegossen. Die drei größeren Glocken sind heute noch im Karner vorhanden (siehe oben), die kleinste Glocke erlebte jedoch ein wechselhaftes Schicksal.

Ave- oder Trinitatisglocke

Diese kleinste Karnerglocke wurde 1698 in Wien von Franz Zechenter gegossen. Im 1. Weltkrieg ging sie an die Rüstungsindustrie verloren, nach anderer Quelle wurde sie bereits 1812 eingeschmolzen. Ihre Nachfolgerin, die Heldenglocke, erlitt das gleiche Schicksal.

Heldenglocke

Durchmesser 80 cm, 280 kg, Ton: h
gegossen am 1.1.1921 in Wien XII von Glockengießerei Kutter

Die Glocke wurde am 16. Oktober 1921 von Kardinal Piffl geweiht. Glockenpate war Prinz Alfred von Liechtenstein. Die Glocke war "dem Andenken Ihrer Heldensöhne gewidmet von Mödlings dankbarer Bürgerschaft". Später wurde sie selbst ein Opfer des Krieges: am 29. Jänner 1942 musste sie an die Kriegsindustrie abgeliefert werden und kam nicht mehr zurück.

Auf der Glocke befand sich eine Darstellung des hl. Michael sowie ein Glockenspruch von Anton Wildgans:

AUS HERZEN DIE DAS GROSSE LEID VERSTEINT,
GESCHMOLZEN HAT DER MEISTER MEINE SPEISE.
ICH BIN DER WITWE KREUZ, DAS BROT DER WAISE,
DAS TRÄNENSALZ, AUS MUTTERAUG GEWEINT.
ICH BIN DER LIEBE EWIGER VERZICHT,
DER UNGETANEN LEBENSWERKE JAMMER.
ICH BIN DIE GLOCKE UND ICH BIN DER HAMMER
UND WECKE GOTT, WENN'S ZEIT IST, ZUM GERICHT.
1914 - 1918


Glocken vom Dachreiter der St. Othmarkirche

Der Dachreiter der Othmarkirche diente als Glockenturm für zwei kleinere Glocken. 1978 mussten diese aus statischen Gründen abgenommen werden. Sie befanden sich einige Jahre im Wehrgang der Othmarkirche, seit November 2003 stehen sie in der Apsis des Karners.

Jakobusglocke

Durchmesser 62,5 cm, ca. 140 kg, Ton: e
gegossen 1688 in Wien von Joachim Gross
am 5. März 1942 beschlagnahmt, im Herbst 1945 zurückgebracht

Diese Glocke wurde ehemals als Sterbeglocke verwendet. Auf der Glocke befinden sich eine Reliefdarstellung des hl. Jakobus sowie folgende Inschriften:

IOACHIM GROSS GOSS MICH IN WIENN ANNO 1688
S. IACOBVS

Wandlungsglocke

Durchmesser 69 cm, ca. 150 kg, Ton: d
gegossen vor 1690

Die ursprüngliche Wandlungsglocke war 1873 in Wr. Neustadt von Peter Hilzer gegossen worden. Sie musste am 6. März 1942 an die Rüstungsindustrie abgeliefert werden. Bei der Rückgabe 1945 wurde vermutlich durch einen Irrtum eine ältere Glocke zurückgebracht. Eine Untersuchung im Jahr 2002 ergab nämlich, dass die jetzt vorhandene Glocke vor 1690 gegossen wurde.

Auf dieser Glocke befinden sich keine Verzierungen und keine Inschriften.

Jakobusglocke Wandlungsglocke
Jakobusglocke, 1688 Wandlungsglocke, vor 1690

Glocke der Spitalkirche

Durchmesser 40 cm, ca. 30 kg, Ton: b
gegossen 1683 in Wien von Joachim Gross

Diese Glocke ist die älteste Glocke in Mödling. Auf der Glocke befindet sich eine Darstellung der hl. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm und folgende Inschrift:

IOACHIM GROSS GOSS ANNO 1683 MICH IN WIEN
Glocke der Spitalkirche
Glocke der Spitalkirche, 1683

Glocke im Rathausturm

Durchmesser 85 cm, ca. 320 kg
gegossen 1684 in Mödling von Joachim Gross

Joachim Gross stammte aus Hildesheim und betrieb eine Glockengießerei in Wien, wo die Jakobusglocke und die Glocke der Spitalkirche gegossen wurden. Er hatte jedoch auch eine Werkstatt direkt in Mödling, in der heutigen Hauptstraße Nummer 28, wo die Glocke für das Mödlinger Rathaus gegossen wurde.

Die Rathausglocke ist die zweitälteste Glocke in Mödling. Auf der Glocke befindet sich eine Darstellung der betendenen hl. Maria Magdalena und folgende Inschrift:

JOACHIM GROSS GOSS MICH IN MÖDLING ANNO 1684
Rathausglocke
Die Rathausglocke, 1684


aktualisiert am 26-Feb-2015
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