Briefe von Sr. Restituta aus der Haft

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Sr. Restituta im schwarzen Ordenshabit 
mit dem zu ihrer Zeit üblichen Schleier. 

Archivfoto der Franzisk. v. d. christl. Liebe

Durchschnittlich einmal im Monat durfte Sr. Restituta einen Brief schreiben. Öfters riss die dabei den Doppelbogen des offiziellen Gefängnisbriefpapiers in zwei, manchmal auch mehrere Teile, um so mehrere Adressaten zu erreichen. Es ist ein besonderer Glücksfall, dass fast alle diese Briefe erhalten geblieben sind. Jeder Brief wurde zensuriert, teilweise lief die Zensur sogar von Wien über Berlin (!), und dann brauchte er etwa vier Wochen bis zur Zustellung wieder in Wien oder Mödling bei Wien. Daher musste Sr. Restituta in der Wahl ihrer Themen und Worte äußerst vorsichtig sein und durfte natürlich nicht wie früher „das Herz auf der Zunge tragen“. Vieles kann nur zwischen den Zeilen herausgefiltert werden.
Dennoch legen die Briefe Zeugnis ab von der unerschütterlichen Glaubenskraft, in der Restituta auf ihren einzigen „Führer“, Jesus Christus, und den guten Weg der Vorsehung Gottes vertraute – auch wenn dieser Weg sie in der Nachfolge Christi hinauf zum Kreuz, zum Schafott führte. 

 

"Bitte recht um Ihr Gedenken beim Tabernakel; dort sind wir ja alle vereint, und keine Kluft kann uns trennen ...“

(Brief aus der Haft, 19.04.1942, an die Generaloberin)

“Mag man auch noch so entfernt von allem sein, mag man einem alles nehmen, den Glauben, den man im Herzen trägt, den vermag einem niemand zu nehmen. So schlägt man sich in seinem Herzen einen Altar auf ...”

(Brief aus der Haft, 24.05.1942) 

„Ich selbst bin so ruhig und ergeben, weiß ich ja ganz bestimmt, dass mein Herrgott über mich wacht und dass der liebe Gott mir nicht mehr auferlegt, als ich tragen kann.“

(Brief aus der Haft, 27.06.1942)

„Meine Exerzitien dauern heuer ziemlich lange schon, doch habe ich so manches daraus gelernt. Das Kreuz ist wohl der beste Lehrmeister. Ich kann dem lieben Gott nur immer danken für die vielen unverdienten Gnaden, die Er mir zuteil werden lässt; wohl weiß ich, dass Ihr großen Anteil daran habt durch Euer fürbittendes Gebet für mich ...“

       (Brief aus der Haft, 29.08.1942) 

„Morgen feiert Ihr unser liebes Franziskusfest, wohl ist da die Sehnsucht nach daheim groß, doch was macht es aus, auch hinter Gittern kann man mir die Freude dieses schönen und lieben Festes nicht nehmen, denn der gute Vater Franziskus sorgt überall für seine Kinder und auch für mich.“

(Brief aus der Haft, 03.10.1942) 

„Allen habe ich von Herzen verziehen, die zu meiner Verurteilung beigetragen haben, auch Dr. St. (hier steht der Name des Denunzianten); möge mir der liebe Gott dafür Seelen schenken. Bitte tragt niemandem etwas nach, sondern verzeiht allen von Herzen, wie auch ich es tue.“

(Erster Brief nach dem Todesurteil, 01.11.1942)

 „Es ist ja wahr ..., dass man mit Gottes Gnade über alle Berge geht; der Heiland und die Mutter verlassen uns nie, dies habe ich zur Genüge erfahren, darum auch mein felsenfestes Vertrauen, ob so oder so ...“

(Brief aus der Haft, 31.01.1943) 

„Ich warte jeden Tag, ob mein Kreuzweg bald die Höhe Kalvarias erreicht oder ob der liebe Gott es anders beschlossen hat. Doch ob so oder so, sein heiliger Wille geschehe. In diesem seinem heiligen Willen liegt mein ganzer Trost, und täglich sage ich aufs neue „ja, Vater“, und es geht alles gut.“

(Brief aus der Haft, 28.02.1943) 

Nun, wie lange ich noch in diesen Mauern bleiben muss? Wohl um keine Sekunde länger, als es mein himmlischer Vater bestimmt, und dies genügt. Den Berg hinan gehe ich gern, denn von dort ist es nicht mehr weit in die ewige Heimat.“

(Letzter Brief aus der Haft, 28.03.1943, zwei Tage vor der Enthauptung)

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Das Lebensbild der seligen Restituta / Textstellen aus Briefen aus ihrer Haft


Texte & Bilder vom Forum Restituta übernommen - aktualisiert am 2.10.2012
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