Lebensbild von Sr. Restituta

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Krankenhaus Mödling
 Im Jahr des "Anschlusses" begannen die Nazis
 mit dem Bau dieses neuen Trakts

Der Zuwanderer- und Arbeiterbezirk Brigittenau wird spätestens 1896 zur Wiener Heimat der am 1. Mai 1894 in Brünn-Husovice als sechstes von sieben Kindern eines böhmisch-mährischen Schuhmacherehepaars geborenen Helene Kafka. Tiefes soziales Empfinden und die Liebe zum ganzen Menschen mit seinen leiblichen und seelischen Nöten ziehen sie – nach Beschäftigungen als Dienstmädchen und Tabakverkäuferin – 1913  ins neu eröffnete Krankenhaus Wien-Lainz zur Krankenpflege und 1914 zum Ordensleben bei den dort wirkenden Franziskanerinnen von der christlichen Liebe („Hartmannschwestern“ – nach der Adresse des Mutterhauses in Wien-Margareten).

Sr. Maria Restituta („die Wiederhergestellte“), wie sie mit Ordensnamen heißt, arbeitet ab 1919 im Krankenhaus Mödling südlich von Wien. Bald erwirbt sie sich als leitende Operationsschwester und Narkotiseurin bei den Ärzten und in der Bevölkerung Vertrauen und Hochachtung, wegen ihres energischen Temperaments aber auch den Spitznamen „Sr. Resoluta“. Zeitgenossen erleben sie wohltuend als „echt fromm, aber nicht frömmelnd“. Für sie zählt  immer der Mensch zuerst – unabhängig von seiner sozialen, kulturellen, religiösen oder weltanschaulichen Herkunft. Ihr christlicher Glaube atmet die Freiheit des Evangeliums, vor dem alle Menschen gleich an Würde, Wert und Rechten sind.

 Als das nationalsozialistische Terrorregime mit seiner Menschenverachtung, seinem Rassenwahn und Glaubenshass auch im Mödlinger Krankenhaus für plötzlich als „minderwertig“ oder gar „lebensunwert“ erklärte Patienten zur akuten Bedrohung wird, erwächst ihm in der leidenschaftlichen Christin und Österreicherin Restituta eine Symbolfigur des Widerstandes. Symbolhaften Wert hat darum auch ihre Weigerung, die von ihr verbotenerweise in der neuen chirurgischen Abteilung aufgehängten Kruzifixe als Zeichen des Heils und der Hoffnung zu entfernen. Unter einem Vorwand wird Restituta von einem fanatischen SS-Arzt denunziert und am 18. Februar (Aschermittwoch) 1942 von der Gestapo verhaftet. Im Wiener Landesgericht erwartet sie am 29. Oktober 1942 „wegen landesverräterischer Feind­begünsti­gung und Vorbereitung zum Hochverrat“ das Todesurteil.

 Ihre Mitgefangenen, Christinnen wie Jüdinnen und Kommunistinnen, richten sich an ihrer solidarischen Menschlichkeit und ausstrahlenden Glaubensstärke auf. Sr. Restituta ist die einzige Ordensfrau, die nach einem - wenn auch nur pseudolegalen - Gerichtsprozess tatsächlich durch das Schafott am 30. März 1943 hingerichtet wird.

 In der Lebensgeschichte der seligen Restituta spiegeln sich außer ihrem exemplarisch gelebten Christentum u.a. die Probleme des zerbrechenden Vielvölkerstaats, die Hinterfragung politischer, sozialer und religiöser Ordnungen auf ihre Praxisrelevanz, die Zivilcourage der EinzelkämpferInnen der katholischen Kirche gegen das NS-Regime und der Aufbruch in die transnationalen europäischen und globalen Dimensionen als spirituelle Gestaltungsaufgabe für lebendige Christen heute.

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Das Lebensbild der seligen Restituta / Textstellen aus Briefen aus ihrer Haft


Texte & Bilder vom Forum Restituta übernommen - aktualisiert am 2.10.2012
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