25.12.2011 um 10 Uhr in St. Othmar
W. A. Mozart

Mozart war gerade nach dem missglückten Versuch, in Paris und Mannheim Fuß zu fassen, nach Salzburg zu seinem ihm verhassten Arbeitgeber, dem Fürsterzbischof Colloredo zurückgekehrt, als er den Auftrag erhielt, eine Messe zu schreiben. Er hatte sich sehr darüber ereifert, dass die Komposition aufgrund des reformerischen Gottesdienstes zeitlich sehr eingeschränkt war: "Unsere Kirchenmusik ist von der in Italien sehr verschieden, da eine Messe auch beim feierlichsten Anlass nicht länger als dreiviertel Stunden dauern darf, wenn der Fürst sie selber liest", klagte er einem Freund. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen gelang ihm ein, innerhalb dieses Genres, unvergleichliches 25-minütiges Kleinod. Die Gründe der bis heute ungebrochenen Popularität dieser Messekomposition liegen sicherlich in ihrer sinfonischen Strukturierung, der formalen Geschlossenheit, ihrer Festlichkeit, vor allem aber in der fast volkstümlichen Eingängigkeit ihrer Melodien.
In der musikalischen Fachwelt allerdings brachte gerade letztgenannter Umstand diesem Sakralwerk zuweilen den Vorwurf allzu starker Weltlichkeit ein - einer Kritik, die der Franzose Bernard Gavoty im Almanach der Osterfestspiele Salzburg 1973 zu entkräften suchte: "Für Mozart gibt es keine Grenze zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Natur und Übernatur. Alles spricht zu ihm von Gott, er aber spricht unentwegt mit Gott. Ein Vogel singt immer gleich, ob vor einem Fürsten oder vor einem Bettler. Vor Gott und vor den Menschen singt auch Mozart dieselbe Weise." Das Werk wurde 1779 uraufgeführt, und später anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten Leopolds II. in Prag (September 1791) und - nach dessen plötzlichem Tod - für Franz I. (August 1792) unter der Leitung Antonio Salieris gespielt. Der Name "Krönungsmesse" tauchte erst acht Jahrzehnte nach Mozarts Tod auf, wohl weil die Komposition während zweier Krönungen aufgeführt wurde.
(Züricher Universitätsverein)
Herbert Schula
aktualisiert am 18-Dez-2011
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