Die Walcker-Orgel der Pfarrkirche St. Othmar in Mödling

Geschichte | Disposition | ORGELSOMMER | Hörbeispiele | Spieltisch | Erweiterung 2005



Geschichte der Orgel

1727Errichtung einer einmanualigen Orgel mit Pedal. Das Chronogramm auf der Orgelbrüstung weist dies nach:
LaVDetVr aLtIssIMVs In organIstVbIs et CItharIs
(MDCLLVVVVIIIIIII = 1727)
Der dreiteilige Mittelteil des Gehäuses stammt aus dieser Zeit.
1777erweiterte Orgelbaumeister Franz Xaver Christoph diese Orgel um das Orgelpositiv auf der Brüstung und vergrößerte das Orgelgehäuse zum Preis von 1.700 Gulden.
1800 - 1912wurde die Orgel von diversen Orgelbaumeistern der Umgebung repariert, geputzt und gestimmt. In dieser Zeit wurde auch ein elektrisch betriebenes Gebläse eingebaut.
1929Umbau der Orgel durch Orgelbaumeister J. M. Kauffmann. Das Rückpositiv wurde stillgelegt und seine Pfeifen im historischen Gehäuse auf Oberwerk und Hauptwerk verteilt. Die Traktur wurde auf pneumatischen Betrieb umgestellt. Kosten Schilling 25.000,-.
1937 u. 1940Reinigung und Neuintonierung durch die Firma Molzer.
1955wieder repariert - von der Firma Eppel - und
1963generalrepariert von der Firma Walcker. Zwei Register wurden umgeändert.
1967Wieder durch der Firma Walcker überholt.
Nach der Kirchenrestaurierung im Jahre
1983wurde von der Firma Walcker-Mayer die Orgel durch eine komplett neue Orgel mit mechanischer Traktur ersetzt. Diese wurde in das unter Denkmalschutz stehende alte Prospekt eingebaut und das Rückpositiv wieder aktiviert.
 Diese Orgel hatte 32 klingende Register und 2.214 Pfeifen. Die Kosten beliefen sich auf 2,8 Millionen Schilling (€ 204.000,-).
 Am 8. Jänner 1984 wurde sie vom Weihbischof Krätzl feierlich geweiht.
 Seit 1984 finden jährlich Konzerte im Rahmen des "MÖDLINGER ORGELSOMMERS" statt.
 Orgel der St. Othmarkirche
2001wurde von der Firma Walcker-Mayer die unbedingt erforderliche Wartung und Entstaubung der Orgel durchgeführt. Außerdem wurde das Register Rankett 16' durch Oboe 8' ersetzt.
2005wurde ebenfalls von der Firma M. Walcker-Mayer ein offener Prinzipalbass 16' aus der abgetragenen Orgel vom Stift Kremsmünster, OÖ, in die Orgel von St. Othmar eingebaut. Durch eine spezielle Schaltung (Transmission) des Registers wurde ein 32-Fuß-Effekt hergestellt (Kontrabass 32'). Diese Erweiterung der Orgel wurde am 1. April 2005 fertiggestellt. [Bildbericht...]

Laut schriftlicher Überlieferung hat am 21.8.1884 kein Geringerer als Anton Bruckner auf der Orgel von Kremsmünster gespielt und sicherlich auch dieses Register verwendet.

Nun besitzt die Orgel von St. Othmar 34 Register mit insgesamt 2.244 Pfeifen.


Disposition der Orgel

Die Orgel besitzt drei Manuale, ein Pedal, 34 klingende Register und 2.244 Pfeifen.

1. Manual
Rückpositiv
        2. Manual
Hauptwerk
Copula8'Pommer16'
Krummhorn8'Prinzipal8'
Prästant4'Trompete8'
Rohrflöte4'Spitzflöte8'
Oktav2'Oktav4'
Sifflöte1 1/3'Salizional4'
Scharf 3fach1'Sesquialter2 2/3 + 1 3/5'
 Waldflöte2'
TremulantMixtur 5fach1 1/3'
   
3. Manual
Oberwerk - Schwellwerk  
Pedal
Oboe8'Kontrabass32'
Gedeckt8'Prinzipalbass16'
Viola da Gamba8'Subbass16'
Prinzipal4'Posaune16'
Flöte4'Prinzipalbass8'
Schwiegel2'Gedecktbass8'
Terz1 3/5'Choralbass4'
Quint1 1/3'Mixtur 4fach2 2/3'
Superoktav1' 
Zimbel 4fach2/3'Kopplungen
 I - Ped., II - Ped., III - Ped.
SchwellerIII - I, I - II, III - II


MÖDLINGER ORGELSOMMER

Seit 1984 finden jährlich Konzerte im Rahmen des MÖDLINGER ORGELSOMMERS statt, die von Herrn Fritz Handler f.handler@kabsi.at organisiert werden.

Im Rahmen dieser Konzertreihe spielen in den Sommermonaten international bekannte Künstler auf der Orgel der Pfarrkirche St. Othmar, teilweise auch im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten.

Der Reinerlös dieser Konzertreihe wird für die Erhaltung der Orgeln in St. Othmar und der Spitalkirche verwendet. Neben den oben aufgelisteten großen Umbauten und Reparaturen der Orgel sind regelmäßige Wartungsarbeiten und häufiges Stimmen der Orgeln erforderlich.

Spieltisch der Orgel


Hörbeispiele

Herr Mag. Reinmar Wolf, Direktor der Beethoven Musikschule in Mödling und seit 1978 Organist in St. Othmar, hat freundlicherweise Hörbeispiele der Orgel aus St. Othmar zur Verfügung gestellt:

M. Mussorgskij: Bilder einer Ausstellung (mp3, 58 kB)
W. A. Mozart: Andante für eine Flötenwalze (mp3, 51 kB)
J. S. Bach: Passacaglia c-moll (mp3, 88 kB)

Die Ausschnitte stammen aus seiner CD "Orgelmusik aus St. Othmar", aufgenommen im Juli 1993 in St. Othmar. 1994 erhielt er dafür den Nachwuchspreis Klassik der Deutschen Grammophon.

Auf www.musikwolf.com gibt es weitere Hörbeispiele aus St. Othmar (auch in anderen Besetzungen, v. a. mit Trompete) und Programmvorschläge.



Spieltisch der Orgel

Spieltisch der Orgel


Der Spieltisch ist der "Arbeitsplatz" des Organisten. Durch Ziehen entsprechender Register und Niederdrücken von Tasten der Klaviaturen (Manual und Pedal) steuert er, welche der 2.244 Pfeifen zu welchem Zeitpunkt erklingen.

Jede Orgelpfeife ist durch zwei Sperren, zwei Ventile, von der Luftversorgung getrennt. Die erste Sperre wird durch Ziehen eines Registerzuges aufgehoben. Dieser Zug wirkt auf alle Pfeifen eines Registers. Die zweite Sperre wird durch Niederdrücken einer Klaviaturtaste geöffnet. Diese Taste wirkt auf alle Pfeifen gleicher Tonhöhe unterschiedlicher Register. Wenn beide Ventile für eine Pfeife geöffnet sind, dann strömt Luft in die Pfeife. Durch die Konstruktion der Pfeife beginnt die Luftsäule in der Pfeife zu schwingen, ein Ton wird hörbar.

Ein Register besteht aus Pfeifen derselben Klangfarbe, aber unterschiedlicher Längen und damit unterschiedlicher Tonhöhen. Die ungefähre Länge der längsten Pfeife eines Registers wird in Fuß angegeben, 1' = 32,5 cm. Die längsten Pfeifen der Orgel in St. Othmar sind somit ca. 16' = 5,25 m lang. Die kleinsten Pfeifen sind nur wenige Zentimeter lang (siehe Bild rechts).

Pfeifen unterschiedlicher Register unterscheiden sich durch Bauart und eventuell Material (Holz oder Metalllegierung) und damit in der Klangfarbe. Pfeifen unterschiedlicher Register können sich auch in der Länge und damit in der Oktavlage unterscheiden. Eine 4' lange Pfeife klingt eine Oktav höher als eine doppelt so lange 8' Pfeife.

Pfeifen im Rückpositiv
Kleine Pfeifen im Rückpositiv

Die meisten Orgelpfeifen sind am oberen Ende offen. Es gibt aber auch gedeckte Pfeifen, diese sind am oberen Ende geschlossen. Eine gedeckte Pfeife klingt um eine Oktav tiefer als eine gleich lange offene Pfeife. Der Gedecktbass 8' klingt also gleich hoch wie der Subbass 16'. Eine gedeckte Pfeife unterscheidet sich von einer offenen Pfeife gleicher Bauart aber auch in der Klangfarbe, da in der gedeckten Pfeife aus physikalischen Gründen weniger Oberschwingungen ausgebildet werden. Der Ton wird weicher, er klingt etwas hohl.

Bei einem Mixtur-Register erklingen für jeden einzelnen Ton mehrere Pfeifen unterschiedlicher Länge gleichzeitig.

Durch Spielhilfen wie Kopplungen, Schweller und Tremulant kann der Organist den Klang der Orgel weiter beeinflussen.

Durch Kopplungen wird es ermöglicht, Register, die einem bestimmten Manual zugeordet sind, auf einem anderen Manual oder auf dem Pedal zu spielen. Wenn beispielsweise die Koppel I - II eingeschaltet ist, dann erklingen die gezogenen Register des Rückpositivs I und des Hauptwerks II gleichzeitig beim Spiel auf dem 2. Manual.

Die Schweller (Schwellwerke) ermöglichen es, den an sich starren Klang der Orgelpfeifen dynamisch zu beeinflussen. Dazu werden bewegliche Jalousien stufenlos geschlossen oder geöffnet. Dadurch wird der Klang der Pfeifen mehr oder weniger stark gedämpft, es ändern sich die Klangfarbe und die Lautstärke.

Der Tremulant ist eine Vorrichtung, die den Orgelwind in Schwingungen versetzt und damit die Register zum Schweben bringt.

Aus der folgenden Tabelle ist die Anordnung der Registerzüge und weiterer Bedienelemente ersichtlich.

1Zimbel 4fach 2/3' 3. Manual
Oberwerk -
Schwellwerk
7Gedeckt 8'
2Superoktav 1'8Viola da Gamba 8'
3Quint 1 1/3'9Flöte 4'
4Schwiegel 2'10Terz 1 3/5'
5Prinzipal 4'11Schweller
6Oboe 8'  
 
12Mixtur 5fach 1 1/3' 2. Manual
Hauptwerk
18Pommer 16'
13Waldflöte 2'19Spitzflöte 8'
14Sesquialter 2 2/3 + 1 3/520Salizional 4'
15Oktav 4'21Koppel I - II
16Prinzipal 8'22Koppel III - II
17Trompete 8'  
 
23Scharf 3fach 1' 1. Manual
Rückpositiv
27Copula 8'
24Oktav 2'28Rohrflöte 4'
25Prästant 4'29Sifflöte 1 1/3'
26Krummhorn 8'30Tremulant
  31Koppel III - I
 
32Kontrabass 32' Pedal
und Kopplungen
38Subbass 16'
33Prinzipalbass 16'39Gedecktbass 8'
34Mixtur 4fach 2 2/3'40Koppel I - Ped.
35Choralbass 4'41Koppel II - Ped.
36Prinzipalbass 8'42Koppel III - Ped.
37Posaune 16'  
 
Der Licht- und Motorschalter befindet sich unterhalb der linken Registerzüge.
König David
König David mit Harfe
Prospekt der Orgel

Falls Sie gut Klavier spielen können und sich für das Studium der Orgel interessieren, setzen Sie sich bitte mit Herrn Dir. Mag. Reinmar Wolf (reinmar.wolf@aon.at) der Beethoven-Musikschule (beethoven-musikschule@inode.at, Tel. 02236 / 22040) in Mödling in Verbindung. Eine Übungsmöglichkeit kann eventuell in der Filialkirche St. Michael oder in einem privaten Orgelstudio organisiert werden.

Wenn Sie am Orgelspiel Interesse haben, kontaktieren Sie bitte Herrn Fritz Handler f.handler@kabsi.at.




aktualisiert am 23-Jan-2009
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