Ökumenisches Forum
am 17. Jänner 2005 in der Gebetswoche für die
Einheit der Christen
Ökumenisches
Gespräch über Spiritualität - Was
versteht man unter Spiritulaität
- Text zu Christus das eine Fundament
der Kirche
Ökumenischer Gottesdienst in der
Evangelischen Kirche
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1 Kor 3, 1-13a Christus
das eine Fundament der Kirche (Übersetzung Martin
Luthers in der revidierten Fassung von 1984)
Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch
reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen,
wie zu unmündigen Kindern in Christus. Milch habe ich euch zu
trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie
noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr's noch nicht, weil
ihr noch fleischlich seid. Denn wenn Eifersucht und Zank unter
euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise?
Denn wenn der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere aber:
Ich zu Apollos -, ist das nicht nach Menschenweise geredet?
Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch
die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem
jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen;
aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der pflanzt
noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere.
Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn
wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes
Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund
gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein
jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann
niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine,
Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden.
Predigt von Pfarrer Klaus Heine:
Liebe Schwestern und Brüder!
Unter der Überschrift "Pfarrgemeinderat" notiert Lothar
Zenetti: "Von Programmen sprachen wir und Tagesordnungspunkten,
von Aktionen sprachen wir und von Sofortmaßnahmen, von Modellen
sprachen wir und neuen Perspektiven, von Problemen sprachen
wir und Meinungsäußerungen, von Strukturen sprachen wir und
von Gemeindebildung. Von Jesus Christus sprachen wir nicht,
und seine Meinung war nicht gefragt. So hing er still am Kreuz
aus Oberammergau."
Sieht Zenetti es zu scharf, dass wir im geschäftigen Getriebe
auch unseres kirchlichen Alltags oft genug die direkte lebendige
Verbindung zum Quellgrund unseres Glaubens verlieren, dass alle
möglichen anderen Stimmen sich bei uns Gehör verschaffen, dass
viele andere Autoritäten Geltung beanspruchen, dass Jesus allenfalls
als e i n e wichtige Gestalt unter anderen für unser Leben bestimmend
wird? Das alles kann sich durchaus bei intaktem Bekenntnis und
rechtgläubiger Struktur der Kirche vollziehen! Wenn wir in den
mahnenden Worten des Apostels den Reflex der korinthischen Zustände
sehen, dann müssen wir seufzend feststellen, dass sich anscheinend
nicht viel geändert hat. Geistlicher Personenkult existiert
noch immer, und er ist auch noch immer Ausgangspunkt von trennenden
Streitigkeiten. Paulus begegnet der geistlichen Unmündigkeit
mit der elementaren Erinnerung an die Basis des Glaubens. Eigentlich
liebe ich das Bild von der Gemeinde vom Steinbau mit entsprechendem
Fundament nicht besonders. Es soll wohl die notwendige und absolut
verlässliche Basis des Glaubens betonen. Aber ein Betonfundament
ist mir einfach zu starr, und die Assoziation von "Fundamentalismus"
ruft mit alle Schrecken der Menschenverachtung und des Terrors
im Namen Gottes ins Gedächtnis. Ich nehme Paulus bei dem Ziel
seiner Argumentation: Die Gemeinde ist der Tempel Gottes. Hier
können wir dem Geist Gottes begegnen. Wir gehören ihm, hier
ist er in Christus gegenwärtig. Im Christusereignis hat Gott
gehandelt. Christus ist der elementare Quellgrund unseres Glaubens,
Sinn und Ziel unseres Daseins. Jesus Christus, das ist nicht
nur ein Bekenntnissatz, ein heiliges Bild, eine Idee. Er ist
die lebendige Wirklichkeit der Liebe Gottes. Nur durch ihn kommen
wir Gott nahe, erfüllt sich die Bestimmung unseres Daseins.
Wer die beglückende Erfahrung seiner Gegenwart macht, wird auch
fähig zum Liebesdienst an seinen Schwestern und Brüdern im Glauben.
Viele Streitigkeiten erscheinen in der Präsenz des Geistes Christi
als geradezu peinlich oder lächerlich. Aber selbst die notwendigen
Auseinandersetzungen verändern sich in diesem Geist. Sie werden
sachbezogener und zielgerichteter. Man hält mehr aus. Gelassenheit
aus Liebe verbreitet sich. Fragen können auch einmal offen bleiben,
Spannungen werden ausgehalten.
Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass wir seit Jahren auf dem
ökumenischen Weg zueinander vorangekommen sind. Ich betrachte
das als ein Gottesgeschenk, das wir pfleglich behandeln und
gut nutzen sollen. Wir können so miteinander leben, weil uns
das Christusereignis immer wichtiger geworden ist. Von ihm her
hat sich vieles anders geordnet. Trennendes wandelte sich in
bereichernde Vielfalt.
Lasst uns immer wieder zu diesem menschlichen Gott in unserer
Mitte zurückkehren, auf die Stimme dieses guten Hirten hören
und ihm gemeinsam folgen.
Amen.
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Ökumenisches
Gespräch zum Thema Spiritualität
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Das Thema ist aktuell.
Die Evangelische Kirche hat das Nachdenken über 'Spiritualität'
zum Schwerpunkt des Jahres 2005 erklärt und der katholische Pastoraltheologe
Paul Zulehner erklärte zuletzt im Gespräch
mit Radio Stephansdom 'Spiritualität liegt wieder im Trend'
doch die Kirche sei zumindest in Westeuropa nicht die erste Adresse
der religiös Suchenden.
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SPIRITUALITÄT
Spiritualität klingt nach Atem und Weite,
nach Stille und Tiefe. Spiritualität ist der Baustil,
der die Architektur meines Lebenshauses bestimmt. Sie
ist die Ästhetik, in der sich mein Selbstgefühl ausdrückt;
sie ist das Gefälle, das den Lauf meiner Gedanken und
Wünsche lenkt.
Der lateinischen "Spiritualität"
entspricht die deutsche "Geistigkeit". Welcher
Geist bestimmt den Bauplan meines Lebens? Welche Statik
gibt meinen Hoffnungen Halt und meinen Sehnsüchten Form?
Welcher Atem weitet meine Seele? Aus welcher Tiefe ziehen
meine Wurzeln ihre Kraft?
Fragen, denen diese Seiten nachspüren:
Sie bieten Anregungen und Einsichten aus dem Schatz der
christlichen Spiritualität und Mystik und aus den Erfahrungen
alltäglichen Glaubens.
(Text von www.autobahnkirche.de)
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In 6 verschiedenen Gesprächsgruppen wurden Texte
christlicher Spiritualität gelesen, vertieft und diskutiert.
Die erste Gruppe beschäftigte sich mit einem
Brief Bernhard von Clairvaux's der den Papst Eugen III. ermahnt,
sich von seinen zu vielen Aufgaben nicht überwältigen zu lassen.
Er weist den Adressaten auf M.t.16,3o hin, ein Wort, das auch
die Überbeschäftigten und Ausgelaugten anleiten kann, im Namen
Jesu Anweisungen für die eigene Lebensführung zu gewinnen.
Eine 2.Gruppe widmete sich Martin Luther und
der Rechtfertigungslehre, keine nur historische Begebenheit,
sondern eine Wieder-Entdeckung des von der Liebe Gottes getragenen
Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen, eine aus der Bibel
gewonnene Erkenntnis, die nie veralten wird. Pfarrer Heine:
"Wie kommt man zum spirituellen Weg, wie erlangt man Glaubensgewissheit?"
In der 3.Gruppe stand ein Text des Mathematikers
und Physikers Blaise Pascal zur Diskussion, sein "Memorial",
in dem er eine Gottesbegegnung schildert, die er schriftlich
festhielt und immer bei sich trug. Christliche Spiritualität
als immerwährende Vergegenwärtigung Gottes und Jesu Christi!
Pater Josef: "In der nächtlichen Stunde muss zwischen
Gott und Pascal etwas passiert sein. Zwischen Gott und dem Menschen
irgendetwas, was auch als 'Erotik' bezeichnet wird"
Die 4. Gruppe diskutierte über einen Text von
Romano Guardini. Er ruft die Menschen zu Sammlung und Ruhigwerden
im Angesicht Gottes auf, um Standfestigkeit und Heimat zu finden.
Pfarrer Posch: "Guardini spürt die Präsenz Gottes, dies
ist auch heute und jetzt möglich, z.B. kann Meditation auch
unseren Glauben vertiefen."
Bonhoeffer widmet sich in einem Text der 'billigen'
und 'teuren Gnade'. Was teure Gnade meint, erfahren wir aus
dem Evangelium, in das der Mensch immer wieder hineinhorchen
muss, um zu erkennen, dass Gottes Gnade 'teuer erkauft' worden
ist, weil er seinen Sohn für uns hingab. In der 5. Gruppe
mit Erna Moder wurde dabei das Resümee gefunden, dass Bonhoeffer
- trotz seiner manchmal schroffen Worte - zum Schluss im Gespräch
mit Gott Hoffnung fand.
Die verschiedenen Texte von Gertrude Stein,
die die 6. und letzte Gruppe besprach, zeugen von einem unerschütterlichen
Gottvertrauen. "Diese werden, obwohl sie sehr schicksalsbezogen
sind, als positiv empfunden" fasste Elisabeth Pollheimer
zusammen. "Die Strahlkraft der Menschen, die davon
getragen werden, wirkt in die Welt hinein und kann sie vielleicht
verändern."
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Was versteht man
unter Spritualität
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Spiritualität (aus http://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualität)
(v. lat.: spiritus = Geist, Hauch) bezeichnet das Bewusstsein,
das die menschliche Seele ihren oder der menschliche Geist seinen
Ursprung einer göttlichen oder transzendenten Instanz verdankt.
Sie ist die besondere, nicht notwendig im konfessionellen Sinne
verstandene religiöse Lebenseinstellung eines Menschen,
der sich auf das transzendente oder immanente göttliche
Sein konzentriert bzw. auf das Prinzip der transzendenten, impersonalen
letzten Wahrheit oder höchsten Wirklichkeit.
Im Unterschied zur Religion oder Esoterik, bei
der es um das Wissen, um Lehre über oder Methodik von Spiritualität
geht, ist die Spiritualität selbst die tatsächlich
ausgeübte Praxis, aus der heraus ein Mensch eine vertiefte
Beziehung zu Gott, eine innere Erleuchtung oder eine religiös
begründete Emotion erlebt. So identifizieren sich die im
westlichen Kulturkreis etablierten Hauptreligionen durchaus
mit ihrem eigenen spirituellem Verständnis, während
sie esoterischen Methoden oder Lehren traditionell eher kritsch
gegenüber stehen. Heute gibt es auch verschiedene esoterische
Formen der Spiritualität, die Elemente aus verschiedenen
Religionen und Weltanschauungen verbinden.
Jede Religion, im Christentum sogar jede Konfession,
hat ihre eigene Ausprägung von Spiritualität. Wie
die Beschreibungen oder Definitionen der göttlichen Instanz
bei verschiedenen Religionen so unterschiedlich sein können,
dass es sich nicht in allen Fällen um das Gleiche handeln
kann, können auch die spirituellen Ausprägungen und
die resultierenden Praktiken kompatibel sein oder so unterschiedlich,
dass sie sich nicht gemeinsam ausüben lassen.
Für manche Menschen ist die göttliche
Instanz so sehr Ursprung und Ziel des Lebens, dass die ständig
vertiefte Spiritualität Lebensführung im Alltag, Verantwortlichkeit
und Ethik deutlich prägt - andere suchen in der Spiritualität
Erlebnisse, die sie aus dem Alltag herauslösen und mit
dem Alltag in keiner Verbindung stehen müssen. Auch individuelle
Spiritualität ist immer verknüpft mit Vorstellungen
über Mensch, Gesellschaft und Welt und ihren Ausdeutungen.
Auf dem spirituellen Weg versucht der Gläubige sein Bewusstsein
zu entfalten oder seine Beziehung zu Gott zu vertiefen (also
kein Eskapismus).
Spirituelle Traditionen aus verschiedenen Konfessionen
im Christentum sind z.B. Eucharistie,
verschiedene Gebetsformen, Bibelstudium, Sündenbekenntnis,
Kontemplation, persönliche Heiligung, Fasten, Diakonie,
Pilgerfahrt oder Charismatik.
Islamische spirituelle Traditionen sind z.B.Gebete,
rituelle Waschungen, Pilgerfahrt, Fasten und Almosen.
Fernöstliche spirituelle Traditionen sind
z.B. Meditation, Kontemplation, Yoga,
Zen oder Tantra.
Spirituelle Fortschritte oder Vertiefungen werden
in manchen Religionen als Erwachen, Neu- oder Wiedergeburt (nach
dem Tod des alten Ich), Selbstrealisation, Gottrealisation oder
Erleuchtung bezeichnet. Sie können in ahnungsvoller Schau
(Gnosis) oder als ergreifende Erfahrung empfunden werden und
gehen immer mit einer inneren, nicht beleg- oder bezeugbaren
Veränderung des Menschen einher, der sie erfahren hat.
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Text von Mag. Ilse Vogel aus
der Webseite der Evangelischen
Kirche Mödling - ergänzt mit Mitschriften und Begriffsbestimmungen
aus diversen Quellen von Gerhard Metz.
Das Ökumenische Forum ist eine gemeinsame Veranstaltung der
Evangelischen Pfarrgemeinde Mödling und den beiden katholischen
Pfarren Herz-Jesu & St. Othmar in Mödling
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Christus
das eine Fundament der Kirche
Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2005
Im Jahr 50 nach Christus kam Paulus nach Korinth. Die griechische Stadt
war wegen ihres Hafens für den Handel von großer Bedeutung. Weil in ihr
zahlreiche Geistesströmungen vertreten waren, war sie auch intellektuell
und religiös sehr lebendig. 18 Monate lang verkündete der Apostel dort
das Evangelium und legte die Grundlage für eine blühende christliche
Gemeinde. Später setzten andere sein Werk der Evangelisierung fort. Doch
die jungen Christen waren versucht, sich an die Personen zu binden, die
ihnen die Botschaft von Christus brachten, statt an Christus selbst. So
kam es zu Spaltungen: "Ich halte zu Paulus!", meinten die einen;
andere wiederum sagten - ebenfalls mit Bezug auf ihren Lieblingsapostel:
"Ich halte zu Apollos!" oder "Ich zu Petrus!". Auf dem
Hintergrund dieser Spaltungen unterstrich Paulus mit Nachdruck, dass die
Baumeister der Kirche viele sein können, dass es aber nur ein Fundament
gibt: Jesus Christus. Er allein ist der lebendige Stein. Während der
"Gebetswoche für die Einheit der Christen" in diesem Monat
erinnern die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in besonderer Weise
daran, dass Christus ihr einziges Fundament ist. Nur wenn sie ihm folgen
und sein Evangelium leben, können sie die volle und sichtbare
Gemeinschaft untereinander finden.
Unser
Leben auf Christus zu gründen bedeutet, eins zu werden mit ihm; es
heißt, so zu denken, wie er denkt; das zu wollen, was er will; so zu
leben, wie er gelebt hat. Wie aber ist das möglich? Der beste Weg ist,
das Evangelium zu leben. Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes, das
Wort, das unsere menschliche Natur angenommen hat. Deshalb werden wir
wahre Christen sein, wenn wir unser ganzes Leben von ihm, vom Wort Gottes,
durchdringen lassen.
Wenn wir sein Wort leben oder - besser noch - uns so von seinem Wort
bestimmen lassen, dass es aus uns "lebendiges Wort" macht, dann
sind wir eng mit ihm verbunden, ja eins mit ihm. Wenn das Wort in uns
allen lebt, ist das sicher der beste Beitrag, den wir geben können, damit
die Einheit unter allen Christen Wirklichkeit werden kann. Wie der Körper
atmet, um zu leben, so lebt die Seele vom gelebten Wort Gottes.
Eine der ersten Auswirkungen des gelebten Wortes ist, dass Jesus in uns
und unter uns geboren wird. Und er führt einen Mentalitätswandel in uns
herbei: Er legt in das Herz eines jeden Menschen - woher er auch stammt -
seine eigenen Empfindungen, seinen ganz speziellen Blick auf die Situation
einzelner Menschen oder ganzer Gesellschaften. Diese Erfahrung hat auch
einer meiner ersten Wegbegleiter gemacht: Giulio Marchesi Er war Ingenieur
in einem großen Industriebetrieb und später Direktor eines anderen
bedeutenden Unternehmens in Rom. Aufgrund vieler Erfahrungen war er zu der
entmutigenden Erkenntnis gelangt, dass die Menschen überall von
egoistischem Streben geleitet sind und es deshalb nicht möglich ist, in
dieser Welt glücklich zu werden.
Als er jedoch eines Tages Menschen begegnete, die das "Wort des
Lebens" lebten, schien sich mit einem Mal alles in ihm und um ihn
herum zu verändern. Auch er begann, das Evangelium zu leben. Bald empfand
er in seinem Herzen große Freude und Fülle. Später beschrieb er diesen
Wandel wie folgt: "Ich erlebte die Allgemeingütigkeit der ‚Worte
des Lebens'. Sie riefen eine wahre Umwälzung in mir hervor. Sie
veränderten meine Beziehung zu Gott und zu den Menschen. Alle waren mir
Brüder und Schwestern. Mir schien, als würde ich sie seit jeher kennen.
Gleichzeitig erfuhr ich die Liebe Gottes zu mir; es genügte, ihn um etwas
zu bitten. Kurz gesagt: Das gelebte Wort hat mich frei gemacht!" Als
freier Mensch konnte er auch dann leben, als er während der letzten Jahre
seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt war.
Ja, das gelebte Wort macht frei von menschlichen Zwängen. Es gibt Freude,
Frieden, Einfachheit, Fülle des Lebens, Licht. Es führt uns dazu,
Christus nahe zu sein, sodass wir ihm immer ähnlicher werden.
Es gibt ein Wort Gottes, das alle anderen enthält: Gott
und den Nächsten zu lieben. Jesus fasst darin "das ganze Gesetz samt
den Propheten" zusammen.
Tatsächlich ist jedes Wort des Evangeliums - auch wenn es mit ganz
unterschiedlichen menschlichen Begriffen ausgedrückt wird - Wort Gottes.
Und da Gott die Liebe ist, ist auch jedes seiner Worte Liebe.
Wie können wir also diesen Monat leben? Wie können wir uns eng an
Christus binden, "das eine Fundament der Kirche"? Indem wir
lieben, wie er es uns gelehrt hat. "Liebe und tu, was du
willst", hat Augustinus gesagt und damit die Grundregel des
Evangeliums zusammengefasst. Wer liebt, ist auf dem richtigen Weg. Er
erfüllt voll und ganz den Willen Gottes.
Text:
Chiara Lubich
Quelle: http://www.fokolare.at/wort.php
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