Sibiu Logo 3. EUROPÄISCHE ÖKUMENISCHE VERSAMMLUNG
Sibiu (Hermannstadt), Rumänien
4.-9. September 2007

Erklärung junger Delegierter aus ganz Europa gerichtet an die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) und angenommen während des Treffens der jungen Delegierten vom 27. bis 30. Juli 2007 in St. Maurice, Schweiz, und während der Anhörung der jungen Delegierten auf der EÖV3 am 5. September 2007.

Die junge Oikoumene steht ein für die lebendige Erneuerung des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Die Ergebnisse der 2. Europäischen Ökumenischen Versammlung (Graz 1997) müssen während der EÖV3 verwirklicht und weiter bedacht werden, wobei die Charta Oecumenica als Grundlage dienen muss. Daher empfehlen wir den Delegierten folgende Verpflichtungen:

Einheit
Einheit bedeutet nicht Uniformität, sondern kann als Einheit in Verschiedenheit bestehen. Wir verpflichten uns, anderen Denominationen und Traditionen mit offenen Sinnen und Herzen zu begegnen. Ein Beispiel ist die Ökumenische Jugendbewegung, die junge Menschen aller Denominationen in der Nachfolge Jesu Christi vereint. Diese jungen Frauen und Männer sind nicht die Zukunft der Kirche, sondern deren Gegenwart.

Spiritualität
Wir bejahen Spiritualität als Ausdruck des Glaubens in all ihren verschiedenen Formen. Wir verpflichten uns, in einen offenen Dialog gleichberechtigter Partner über Spiritualität einzutreten und dabei zu berücksichtigen, dass die Vielfalt geistlichen Lebens nicht nur für junge Menschen eine wichtige Säule des Glaubens ist.

Zeugnis
Wir fordern die Kirchen auf, nicht mehr untereinander zu konkurrieren und zu beginnen, das Evangelium zu leben. Wir bezeugen ja nicht die Machtdynamik unserer Kirchen, sondern Christus. Wir sind entschlossen, uns nicht auf die Kontroverse zwischen verbalem und nonverbalem Zeugnis zu konzentrieren: Handeln und Wort sollten Hand in Hand gehen.

Europa
Jeder Mensch ist von Gott geschaffen worden und besitzt als solcher Würde und Wert. Daher bestehen wir darauf, dass die europäischen Kirchen und die europäischen Staaten für den Schutz der Menschenrechte einstehen. Dies ist die Grundlage für die Gestaltung eines Europas entsprechend den Bedürfnissen der Menschen.

Migration
Migration ist eine Realität, die gesehen und auf die reagiert werden muss im Sinne menschlicher Würde, Gastfreundschaft und dem Recht auf Bewegungsfreiheit. Doch Mobilität und Bewegungsfreiheit sind ein Privileg für Menschen aus EU-Ländern geblieben. Wir engagieren uns, um den Barrieren (Visa-Einschränkungen, soziale Unterschiede und finanzielle Beschränkungen) für Menschen aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern entgegenzutreten und einen gleichberechtigten, ökumenischen und europäischen Dialog zu ermöglichen und zu fördern.

Religionen
Vielfalt der Religionen hat die Koexistenz der Menschen in Europa geformt. Wir verpflichten uns, Sibiu als Ausgangspunkt für einen erneuerten interreligiösen Dialog zu nehmen. Das Ergebnis dieses Prozesses soll durch eine gemeinsame Erklärung ähnlich der der Charta Oecumenica herausgestellt werden.

Schöpfung
Gott ist der Schöpfer der Welt, in der wir leben und deren Teil wir sind. Doch statt verantwortungsbewusst zu leben, tragen wir - durch einen nicht-nachhaltigen Lebensstil - zu katastrophalen Entwicklungen in der Umwelt wie z.B. dem Klimawandel bei. Wir verpflichten uns, unseren Lebensstil gemäß dem biblischen Zeugnis zu überdenken. Dies muss durch konkrete Schritte geschehen wie z.B. den Kauf von Produkten aus gerechtem Handel, den Gebrauch erneuerbarer Energien, Reduzierung unserer Kohlenstoffabgase und Veränderung unseres Verbraucherverhaltens auf ein umweltverträgliches Ausmaß.

Friede
Friede ist kein einstufiger Begriff - er kann auf der persönlichen Ebene, der Ebene der Kirche und in den Beziehungen zwischen Kirchen und Regierungen gelebt werden. Beim Frieden geht es primär um persönliche Einstellungen: wenn unsere Seele nicht friedlich ist, können wir Frieden mit anderen nicht erreichen.
Wir verpflichten uns, den stillschweigend unterstützten Waffenhandel anzusprechen und ständig gegen Firmen, die Waffen herstellen, Lobbyarbeit zu leisten. Als Gegenstück zur Europäischen Verteidigungsagentur fordern wir die Schaffung einer Europäischen Friedensagentur.

Gerechtigkeit
Als Teil der Gesellschaft sind die Kirchen auch Teil ungerechter Systeme. Wir verpflichten uns, uns auf die Forderungen und Bedürfnisse unserer Nachbarn nach mehr Gerechtigkeit in der ganzen Welt einzugehen, deutlich gegen unterdrückerische Migrationspolitik und die Vorherrschaft der Industriestaaten in den weltweiten Beziehungen aufzutreten, gleiche Chancen der Erziehung für jede Frau und jeden Mann als Grundlage der Ermächtigung zu fördern.

Wir bestehen darauf, die Nacharbeit und Verwirklichung dieser Verpflichtungen wirklich zu verfolgen als einer Verpflichtung für uns selbst, die Delegierten der EÖV3 und der Beschlussgremien der Kirchen. Dies ist nicht nur die Voraussetzung für die Motivation und weitere Arbeit junger Ökumeniker, sondern kennzeichnet auch die Vertrauenswürdigkeit der ökumenischen Bewegung.


Zum Bericht: Ökumenisches Forum 7.11.2007


aktualisiert am 12-Nov-2007
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