Ökumene - in Mödling

Stichwort Ökumene - Ökumenischer Rat der Kirchen - Trennungen und Annäherungsversuche

In Mödling funktioniert das Miteinander der verschiedenen Konfessionen traditionell sehr gut.

Als äußerliches Zeichen gibt es das Ökumenische Pfarrblatt, das circa 4mal im Jahr an viele Mödlinger Haushalte zugestellt wird und seit Jahren zeigen gemeinsame Aktionen deutlich das Gemeinsame. 

Z.B. Stadtkreuzweg, das Ökumenische Forum , den Ökumenischer Gottesdienst zum Jahrtausendwechsel, gemeinsame Ökumenische Gebete im Jahr 2003 anlässlich der 1100 Jahr-Feiern von Mödling

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Stichwort "Ökumene"

Das Wort "Ökumene" kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "die ganze Erde" oder "die ganze bewohnte Erde". Im römischen Reich wandelte sich die Bedeutung des Wortes, es hieß dann "zur Kirche gehörend".

Das Wort bekam generelle Gültigkeit und verlor damit geographische und politische Bedeutung, denn es bezeichnete den sachlichen Inhalt für alle Christen zuständig, wichtig und verpflichtend zu sein.

Im 18. Jahrhundert kam es zu einer Bedeutungsänderung des Begriffes im evangelischen Bereich: er wurde Ausdruck des Bestrebens, eine Einheit aller Christen über die Landesgrenzen hinaus zu erreichen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstand man unter "ökumenisch" den Ausdruck der missionarischen Haltung der Kirchen. Nathan Söderblom, lutherischer Erzbischof von Uppsala, bereicherte das Wort "Ökumene" mit neuem Inhalt, dessen Bedeutung sich durchsetzte. Nach Söderblom bedeutet "ökumenisch" "Ausdruck der Wirklichkeit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche".

Bis heute sind zwei Grundinhalte im Wort "Ökumene" enthalten: zum einen "weltweit, universal, missionarisch" und zum anderen "die Einheit der Kirchen betreffend". In der katholischen Kirche wird der ökumenische Schwerpunkt auf die Einheit der Kirchen gesetzt. Unter Einheit wird dabei die Überwindung bestehender Konfessionsgrenzen verstanden.

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Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich

Im Ökumenische Rat der Kirchen kommen die christlichen Kirchen zusammen, um Themen zu beraten, die alle gemeinsam betreffen: - Antworten auf die Fragen der Welt von heute - das Bild der Kirchen in unserer Gesellschaft - die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens - Kontakte zu anderen Religionsgemeinschaften - Überregionale ökumenische Veranstaltungen

Trotz aller konfessioneller Unterschiede und Kontroversen sind die christlichen Kirchen durch eine gemeinsame und tragfähige Basis verbunden. Diese kommt durch den Ökumenische Rat deutlich zum Ausdruck.

Folgende Kirchen sind Teil des Ökumenischen Rates: die altkatholische Kirche, die anglikanische Kirche, die armenisch-apostolische Kirche, die bulgarisch-orthodoxe Kirche, die evangelische Kirche A.B. und H.B, die griechisch-orthodoxe Kirche, die koptisch-orthodoxe Kirche, die Methodistenkirche, die römisch-katholische Kirche, die rumänisch-orthodoxe Kirche, die russisch-orthodoxe Kirche, die serbisch-orthodoxe Kirche und die syrisch-orthodoxe Kirche.

Als Beobachter sind vertreten: Baptistengemeinde, Diakonisches Werk für Österreich, Heilsarmee, Ökumenischer Jugendrat, Österreichische Bibelgesellschaft, Evangelischer Missionsrat, Österreichisches Nationalkomitee für den Weltgebetstag der Frauen, Ökumenisches Forum Christlicher Frauen in Europa, "Pro Oriente", Servitas, Vienna Community Church.

Derzeit ist Oberin Christine Gleixner von der römisch-katholischen Kirche Vorsitzende des Ökumenischen Rates. Als stellvertretende Vorsitzende fungieren Bischof Herwig Sturm von der evangelischen Kirche A.B. sowie Chorepiscopus Emanuel Aydin von der syrisch-orthodoxen Kirche.

Kontakt: Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) 
Severin Schreiber Gasse 3 A-1180 Wien Tel: +43 - 1 - 479 15 23-300 FAX: + 43 - 1 - 479 15 23-330
E-Mail: oerkoe@kirchen.at, Hompage: www.kirchen.at

Die Kirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich siehe
www.kirchen.at

Als Beobachter sind vertreten:
Baptistengemeinde, Diakonisches Werk für Österreich, Heilsarmee, Ökumenischer Jugendrat, Österreichische Bibelgesellschaft, Evangelischer Missionsrat, Weltgebetstag der Frauen (Österreichisches Nationalkomitee), Ökumenisches Forum Christlicher Frauen in Europa, Stiftung "Pro Oriente", Servitas, Vienna Community Church

Links zu den internationalen Partnern des Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich

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Christentum: Trennungen und Annäherungsversuche

Die Bischöfe Staikos, Sturm & Schönborn - Quelle MDB ED WienDie Ursprünge von Kirchenspaltungen und heutige Stolpersteine im Verhältnis der christlichen Konfessionen.

"Gebetswoche für die Einheit der Christen" - eine Einheit, von der man gegenwärtig noch weit entfernt ist. Etwa 2 Milliarden Menschen bekennen sich weltweit zum Christentum, der mit Abstand größten Weltreligion. Neben den 1,1 Milliarden Katholiken gehören knapp 350 Millionen Gläubige zur evangelischen Kirche und etwa 215 Millionen zur Orthodoxie. Daneben gibt es noch hunderte kleinere und größere christliche Gemeinschaften, die nicht eindeutig einer der drei Hauptrichtungen zuzuordnen sind.



 

Das Drama von Chalcedon
Immer wieder kam es im Laufe der Kirchengeschichte zu Abspaltungen einzelner Gruppen von der Großkirche. So war es bereits in den ersten Jahrhunderten. Um strittige Glaubensfragen zu beseitigen, versuchten die Bischöfe, auf Konzilen die Lehre der Kirche fest zu schreiben und so für die Gläubigen eine verbindliche Richtschnur vorzulegen. Dabei kam es nach dem Konzil von Chalcedon (im Jahr 451) zur ersten großen Trennung. Die Bischöfe versuchten zu klären, wie man sich in Jesus Christus das Menschliche und das Göttliche verbunden und doch gleichzeitig getrennt vorstellen könne. Ergebnis der Beratungen war eine Formel, in der viele Kirchen des Ostens die Gottheit Jesu nicht gebührend berücksichtigt sahen. So kam es zur Trennung eines kleineren vom größeren Teil der Kirche. Zurückzuführen war dies einerseits auf sprachlich-begriffliche Probleme und Missverständnisse, andererseits aber auch auf politische Unstimmigkeiten, die mit Theologie und Glaube nichts zu tun hatten. Die Kirchen, die die Entscheidung von Chalcedon nicht mittrugen, werden gemeinhin auch als "orientalisch-orthodoxe Kirchen" bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise die assyrische Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche und die äthiopisch-orthodoxe Kirche.

Ost und West verstehen sich nicht
Anfang des 2. Jahrtausends kam es zur nächsten großen Kirchenspaltung. 1054 verhängten der päpstliche Gesandte Kardinal Humbert von Silvacandida und Patriarch Michael Kerullarios von Konstantinopel gegenseitig den Kirchenbann. Diesem punktuellen Ereignis war bereits seit Jahrhunderten ein immer größer werdendes Unverständnis zwischen den lateinisch-westlichen (mit dem Zentrum in Rom) und den griechisch-östlichen Christen (mit dem Zentrum in Konstantiopel, dem heutigen Istanbul) vorausgegangen. Und diese Unterschiede wurden in der Folge noch vertieft. Erst 1965 wurde der Bann von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras wieder aufgehoben. Während in den Glaubensgrundsätzen die Unterschiede zwischen orthodoxer und katholischer Kirche sehr gering sind, gibt es erheblich Differenzen in der kirchlichen Praxis.

Luther: Vom katholischen Mönch zum Reformator
Mit seinen 95 Ablassthesen, die der Augustiner-Mönch Martin Luther 1517 an die Kirche von Wittenberg nagelte und an Bischöfe und den päpstlichen Ablasskommissär schickte, leitete er die nächste folgenschwere Kirchentrennung ein. Luther kritisierte die Lehre vom Ablass, nach der man sich von zeitlichen Sündenstrafen loskaufen konnte, was sich in der Praxis zu einem skandalösen Geldgeschäft entwickelt hatte. Luthers Thesen wurden rasch in ganz Deutschland verbreitet und erzielten eine enorme Wirkung. Es kam jene Bewegung ins Rollen, die als Reformation bezeichnet wird und sehr bald zur Trennung von der katholischen Kirche führte, was Luther selbst so nie geplant hatte. Ihm ging es darum, Missstände in der Kirche aufzuzeigen und zu beseitigen, er wurde jedoch 1520 vom Papst gebannt. Damit konnte die katholische Kirche aber in keiner Weise die Trennung aufhalten, die bald darauf große Teile Europas ergriff.

Gemeinsamer Glaube an den einen Gott und Jesus Christus
Katholische, evangelische und orthodoxe Christen stimmen in ihrem Glauben an den einen Gott und an Jesus Christus als den Mensch gewordenen Sohn Gottes und Erlöser der Menschen von Sünde und Tod überein. Ebenso glauben alle an die Dreifaltigkeit Gottes und anerkennen das sogenannte "große" oder "nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis". Dieses Bekenntnis, das auf den Konzilen von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) beschlossen worden war, fasst auf prägnante Weise die wichtigsten Glaubenssätze des Christentums zusammen. Neben diesen großen Gemeinsamkeiten bestehen aber auch zahlreiche Unterschiede. So gibt es Glaubenswahrheiten, in denen sich orthodoxe und katholische Christen von den Protestanten unterscheiden; es gibt aber auch solche, die Katholiken und Protestanten verbinden und von den Orthodoxen abgelehnt werden, und natürlich findet man auch die dritte Variante: Punkte, in denen sich orthodoxe und protestantische Kirche von der katholischen unterscheiden.

Verwirrende Trennung
Orthodoxer und katholischer Kirche gemeinsam sind zum Beispiel die sieben Sakramente, die Gläubigen beten für die Verstorbenen und verehren die Heiligen und sie akzeptieren sowohl die Bibel als auch die Schriften der Kirchenväter als Glaubensgrundlage. Die evangelische Kirche anerkennt hingegen nur die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl und betrachtet allein die Heilige Schrift als Glaubensgrundlage. Mit den Katholiken gemeinsam benützen die Protestanten hingegen das sogenannte "apostolische" oder auch "kleine" Glaubensbekenntnis, welches von den Orthodoxen nicht akzeptiert wird. Andererseits sind sich Orthodoxie und Protestantismus in der Ablehnung der Vorrangstellung des Papstes einig.

Einheit, nicht Einförmigkeit
Noch ist es ein weiter Weg bis zur Einheit der Christen, wobei "Einheit" nicht mit "Einförmigkeit" zu verwechseln ist. Kardinal Walter Kasper, Präsident des "Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen" im Vatikan formulierte es einmal so: "Zwar können in Glaubensfragen keine gegensätzlichen Positionen nebeneinander oder gegeneinander stehen. Aber es kann verschiedene Ausdrucksweisen des einen und selben Glaubens, verschiedene Riten und Gewohnheiten geben. Solche Vielfalt ist kein Mangel, sondern im Gegenteil Reichtum und Fülle."

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aktualisiert am 12-Jul-2012
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