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Station: Jesus wird zum Tod verurteilt (Evangelische Kirche)
Lied: Bleibet hier und wachet mit mir
Wir beten dich an, Herr Jesus
Christus, und preisen dich - denn durch dein heiliges Kreuz hast
du die Welt erlöst.
Lesung aus dem Markusevangelium
(Mk 14, 57-64):
Dann traten einige auf und behaupteten: "Wir haben ihn sagen
hören: Ich werde diesen Tempel, der von Menschen erbaut wurde,
niederreißen und werde in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht
von Menschen gemacht ist." Aber auch ihre Aussagen
widersprachen einander. Da stand der Oberste Priester auf, trat in
die Mitte und fragte Jesus: "Hast du nichts zu sagen zu dem,
was diese bei den gegen dich vorbringen?" Aber Jesus schwieg
und sagte kein Wort. Darauf fragte der Oberste Priester ihn:
"Bist du Christus, der versprochene Retter, der Sohn
Gottes?"
"Ich bin es", sagte Jesus, "und ihr werdet den
Menschensohn sehen, wie er an der rechten Seite des Allmächtigen
sitzt und mit den Wolken des Himmels kommt!" Da zerriss der
Oberste Priester sein Gewand und sagte: "Was brauchen wir noch
Zeugen? Ihr habt es selbst gehört, wie er Gott beleidigt hat. Wie
lautet euer Urteil?" Einstimmig erklärten sie, er habe den Tod
verdient.
Jesus wurde unschuldig
verurteilt. Um die Schuld der Welt auf sich zu nehmen und die
Menschen mit Gott, mit den Menschen und mit sich selbst zu
versöhnen, unterwarf er sich diesem Urteil. Die ihn verurteilten,
haben nicht begriffen, dass in ihm Gott zu ihnen sprach. Oft müssen
auch wir mit Vorurteilen und Verurteilungen fertig werden. Wo immer
unschuldig Verurteilte in der Welt zu leiden haben, sollen
Christinnen und Christen sich zu deren Anwalt machen. Im
alltäglichen Zusammenleben ist immer wieder danach zu fragen, wo
ungerechte Verurteilungen stattfinden, gegen die es Widerstand zu
leisten gilt.
Fürbitten:
· Jesus geht den Weg des Kreuzes für und mit uns allen. Herr,
erbarme dich!
· Herr, wir bitten für alle, die unschuldig verurteilt werden und
sich nicht zu wehren wissen. Lass ihnen Menschen zur Seite stehen,
die für sie die Stimme erheben. Herr, erbarme dich!
· Herr, wir bitten dich, öffne unsere Augen und Herzen für das
Kreuz in unserer Zeit und lass uns zur Stelle sein, wenn unsere
Hilfe notwendig ist. Herr, erbarme dich!
· Herr, wir bitten für alle, die unter die Räder geraten. Lass
sie durch Menschen, die dir nachfolgen, erfahren, dass du bei uns
bist bis zum Ende der Welt. Herr, erbarme dich!
Lied: Herzliebster Jesus, was hast du verbrochen
(1-3)
2.
Station: Jesus nimmt das Kreuz auf sich (Spitalkirche)
Lied: Herzliebster Jesus, was hast du verbrochen
(4-6)
Lesung aus dem Psalm 35
Falsche Zeugen sagen gegen mich aus. Man verhört mich über
Verbrechen, von denen ich nichts weiß. Gutes vergelten sie mir mit
Bösem; alle haben mich im Stich gelassen. Früher, wenn einer von
ihnen krank war, zog ich mir Trauerkleider an. Um seine Krankheit
von ihm abzuwenden, verzichtete ich auf mein Essen; ich neigte
meinen Kopf tief auf die Brust und betete für ihn, als wäre er
mein Bruder oder Freund. Nun aber freuen sie sich über meinen Sturz
und rotten sich zusammen gegen mich... Lass nicht zu, dass sie über
mein Unglück jubeln, meine Feinde, diese Bande von Lügnern! Ohne
jeden Anlass hassen sie mich... Du, Herr, hast das alles gesehen!
Schweig doch nicht länger, bleib nicht fern von mir! Steh auf,
greif ein, verschaffe mir Recht! Mein Herr und Gott, nimm du meine
Sache in die Hand!
Es ist schwer, ein Leiden
anzunehmen. Jesus trägt das Kreuz. Auch in meinem Leben bleibe ich
nicht vom Kreuz verschont. Mein Leben kann zum Kreuzweg werden: die
Krankheit meiner Frau, meines Mannes, ein unerfüllter Kinderwunsch,
der Tod eines lieben Freundes, das beschwerliche Alter, die Angst
vor dem Alleinsein... Auch ich muss mein ganz persönliches Kreuz
annehmen und tragen, auch wenn ich nicht verstehe, warum. Aber es
ist eine Ergebung unter Protest und dem Schrei nach Erlösung zu
Gott.
Fürbitten:
· Jesus geht den Weg des Kreuzes für und mit uns allen: Herr,
erbarme dich!
· Gott, Schöpfer und Vollender unseres Lebens, lass uns erkennen,
dass unser Kreuz zu unserem Leben gehört. Herr, erbarme dich!
· Hilf uns, auf die Kraft der Liebe zu vertrauen, die du jedem von
uns schenkst. Herr, erbarme dich!
· Mit deiner Hilfe können wir die Mühsal des Lebens auf uns
nehmen und so Hoffnungsträger für andere werden. Herr, erbarme
dich!
Lied: O Welt, sie hier dein Leben am Stamm des
Kreuzes schweben
3. Station: Simon hilft Jesus
das Kreuz tragen. (Caritasheim Mölkergasse)
Wir beten dich an, Herr Jesus
Christus und preisen dich - denn durch dein heiliges Kreuz hast
du die Welt erlöst.
Lesung aus dem
Markusevangelium:
Sie zwangen einen Mann, der gerade vorbeiging, für Jesus das Kreuz
zu tragen. Es war Simon von Zyrene, der Vater von Alexander und
Rufus, der gerade vom Feld in die Stadt zurückkam.
Simon hilft Jesus die Last des
Kreuzes zu tragen. In unserer Welt nehmen, besonders im städtischen
Bereich, Einsamkeit, Anonymität und fehlende Solidarität zu. Wo
Menschen ein Kreuz zu tragen haben, ist nicht immer jemand zur
Seite, der es ihnen zu tragen hilft. Wenn Menschen ihre Hilfe
anbieten, sollen sie es in diskreter Weise tun, ohne sich anderen
aufzudrängen oder sie zu beschämen. Es gehört zur christlichen
Verantwortung, mit offenen Augen und offenem Herzen in Zeit und
Gesellschaft hineinzublicken, um zu erkennen, wo Simon von Zyrene
heute handeln soll.
Fürbitten:
· Des Anderen Last tragen Menschen, die andere Menschen pflegen.
Lass uns erkennen, wo Menschen unter der Last ihres Kreuzes nicht
mehr weiter können und zeige uns Wege, ihnen zu helfen. Herr
erbarme dich!
· Des Anderen Last tragen wir, wenn wir unsere Angehörigen selber
pflegen. Herr gib uns Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, wenn wir
erkennen müssen, dass wir an die Grenze unserer Belastbarkeit
gelangt sind und gib uns Demut zuzulassen, dass Andere uns bestehen.
Herr erbarme dich!
· Des anderen Last trägst Du Jesus unser Herr selber.
Herr, Du bist unser Bruder im Leid geworden. Stärke durch die Kraft
Deines Geistes und die Erfahrung Deiner Gegenwart alle, die das
Kreuz ihres Lebens nicht mehr tragen können. Herr erbarme dich!
Lied: Mitten unter uns steht er unerkannt (GL 619)
4.
Station: Jesus fällt unter dem Kreuz
(Bahnhof, beim "Waggon")
Wir beten dich an, Herr Jesus
Christus und preisen dich - denn durch dein heiliges Kreuz hast
du die Welt erlöst.
Lesung aus dem Psalm 77
Ich schreie zu Gott so laut ich kann; in meiner Angst suche ich den
Herrn. Die ganze Nacht verbringe ich mit Grübeln, immer wieder
bewegen dieselben Fragen mein Herz: Hat der Herr uns für immer
verstoßen? Will er sich nicht mehr erbarmen? Ist er nie wieder gut
zu uns? Ich zähle mir auf was du vollbracht hast, immer wieder
denke ich darüber nach. Gott, heilig ist alles was du tust! Kein
anderer Gott ist so gewaltig wie du! An den Völkern hast du deine
Macht bewiesen. Dein Volk, die Nachkommen Jakobs und Josefs, hast du
mit starker Hand befreit!
In vielen Ländern der Erde
sind Menschen unter dem Kreuz ihres Lebens zusammengebrochen.
Hunger, Krankheiten, Seuchen, Umweltkatastrophen, Bildungsmangel,
Kriege und Flüchtlingsschicksale durchkreuzen das Leben unzähliger
Menschen dieser Erde von Geburt an. Die Satten und Mächtigen sehen
es und ändern doch nicht ihre Politik, die nur den eigenen Vorteil
sucht. Den wichtigen und tatkräftigen Bemühungen, dem Hohn und
Spott gegenüber den unter ihrem Kreuz zusammenstürzenden Menschen
unserer Tage Einhalt zu gebieten, wird in den Medien und in der
Politik wenig Raum gegeben. Jeder und jede von uns ist eingeladen,
sich zu fragen: Bin ich bereit, mit offenen Augen und Ohren die
Zeichen der Zeit zu deuten und mich mit gesellschaftlich gängigen
Vorurteilen auseinander zu setzen, um zu ihrer Überwindung
beizutragen?
Lied: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde (GL
183)
Fürbitten:
· Einer trage des Anderen last - So erfüllt ihr das Gesetz Christi.
Herr, hilf uns, in den Armen und Leidenden dieser Welt Christus auf
dem Weg seines Leidens zu erkennen und ihnen angemessen zu helfen. Herr,
erbarme Dich!
· Einer trage des Anderen last - So erfüllt ihr das Gesetz Christi.
Herr, schenke uns die Einsicht, was es für unser christliches Leben
bedeutet, dass Gottes und Nächstenliebe untrennbar zusammengehören
und gib uns den Mut, entsprechend zu handeln. Herr, erbarme Dich!
· Einer trage des Anderen last - So erfüllt ihr das Gesetz Christi.
Herr, lass Menschen in den armen Regionen dieser Erde erfahren, dass
sie nicht vergessen sind und Andere mit ihnen teilen wollen. Herr,
erbarme Dich!
5. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
(bei der Waisenhauskirche)
Vor der Waisenhauskirche wollen
wir bedenken, wie kostbar die Beziehung zwischen Müttern und ihren
Kindern ist.
Lesung aus dem Lukasevangelium
(Lk 2,34-35)
Simeon segnete sie und sagte zu der Mutter: "Dieses Kind ist
von Gott dazu bestimmt, viele in Israel zu Fall zu bringen und viele
aufzurichten. Es wird ein Zeichen Gottes sein, gegen das sich viele
auflehnen werden. Dich aber wird der Kummer um dein Kind wie ein
scharfes Schwert durchbohren."
Maria geht den letzten Weg mit
ihrem Sohn. Sie will ihn begleiten, bei ihm sein, auch wenn ihr das
vielleicht Ablehnung und Verachtung bringt.
Eine Mutter kann ihr Kind solange es klein ist, beschützen, es
trösten, es pflegen, wenn es krank ist. So wird es vielleicht auch
bei Maria gewesen sein. Jetzt aber kann sie ihren Sohn vor einem
richterlichen Beschluss und vor der aufgehetzten Volksmenge nicht
mehr schützen. Sie kann nur da sein und ihm durch ihre Anwesenheit
zeigen, dass sie ihn bis zu seinem Ende nicht verlassen wird.
Wie oft geschieht es auch heute, dass Mütter ihre Kinder
beschützen und Unbill, Verrat, Gefahr von ihnen fernhalten wollen.
Was bis zu einem gewissen Alter gelingen kann, ist bei erwachsenen
Kindern nicht mehr möglich. Darunter leiden heute Mütter genau so
wie zu Zeiten Jesu. Auch heute kann eine Mutter durch Zuhören und
einfach Dasein zeigen, dass sie zu ihrem Kinde steht.
Fürbitten:
· Herr, zeige auch in unserer zerrissenen und von Stress geplagten
Zeit, wie Mütter und Väter ihre Verantwortung gegenüber ihren
Kindern wahrnehmen können. Lass unsere Familien ein Ort der
Geborgenheit und Liebe sein. Herr, erbarme Dich!
· Stärke in allen Menschen, die bedrückt, krank und hilflos sind,
das Gefühl, dass sie nicht allein sind, dass Gott ihnen die Kraft
gibt ihren Weg zu gehen. Herr, erbarme Dich!
· Herr, schenke allen Eltern Kraft und neue Hoffnung, die
ohnmächtig erleben müssen, wie das Leben ihrer Kinder durchkreuzt
wird. Herr, erbarme Dich!
Lied: Danket, danket dem Herrn (EGB 636) & Ubi
caritas
6. Station: Jesus stirbt am Kreuz
(in der Pfarrkirche Herz-Jesu)
Wir beten dich an, Herr Jesus
Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast
du die Welt erlöst!
Aus dem Johannesevangelium (Joh19,
25-30, GNB)
Nahe bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und
deren Schwester sowie Maria, die Frau des Klopas, und Maria aus
Magdala. Jesus sah seine Mutter dort stehen und neben ihr den
Jünger, den er besonders lieb hatte. Da sagte er zu seiner Mutter:
"Frau, er ist jetzt dein Sohn!" Und zu dem Jünger sagte
er: "Sie ist jetzt deine Mutter!" Von da an nahm der
Jünger sie bei sich auf. Jesus wusste, dass nun alles zu Ende
gebracht war. Aber damit die Voraussagen der Heiligen Schriften
vollends ganz in Erfüllung gingen, sagte er: "Ich habe
Durst!" In der Nähe stand ein Gefäß mit Essig. Die Soldaten
tauchten einen Schwamm hinein, steckten ihn auf einen Ysopstängel
und hielten ihn Jesus an die Lippen. Jesus nahm davon und sagte:
"Jetzt ist alles vollendet" Dann ließ er den Kopf sinken
und gab sein Leben in die Hände des Vaters zurück.
Jesus selbst trägt die
schwerste aller Lasten für uns, unsere Last der Schuld und Sünden,
bis ans Kreuz.
Indem er die Wahrheit und die Liebe bis zur letzten Konsequenz
bezeugt, bis zum Tod am Kreuz, bewirkt er unsere Befreiung, unsere
Erlösung. Und er gibt uns einen Auftrag vom Kreuz herab: die Sorge
füreinander, einander Mutter und Kind sein, das heißt innige
Beziehung leben, einander in Liebe Lasten abnehmen, entlasten, zur
Befreiung verhelfen, aus der allein wir das Leben in Fülle
gewinnen. Nehmen wir die Botschaft Jesu ernst?
Tragen wir einer des anderen Last?
Stille
Fürbitten:
· Des anderen Last tragen Menschen, die Sterbende auf ihrem letzten
Weg begleiten. Gott, wir bitten dich um Geduld, Mitgefühl und
Zuversicht für alle, die sich in der Sterbebegleitung einsetzen,
sei es in der Hospizbewegung oder im familiären Bereich! Herr,
erbarme dich!
· Des anderen Last tragen Menschen, die Trauernde trösten und
ihnen helfend zur Seite stehen. Gott, wir bitten dich für alle, die
um einen Menschen weinen, die verzagt sind oder den Glauben an deine
Liebe verloren haben: Gib ihnen Menschen zur Seite, die ihnen Trost
und Hoffnung zusprechen! Herr, erbarme dich!
· Des anderen Last tragen Menschen, die sich gegen eine Kultur der
Lebensvernichtung und für das Leben von der Empfängnis bis zum
natürlichem Tod einsetzen. Gott, wir bitten dich für uns alle:
Nimm uns die Angst vor dem Tod und die Angst vor dem Leben und
stärke in uns das Vertrauen in deine barmherzige, erlösende Liebe!
Herr, erbarme dich!
Lied: O Haupt voll Blut und Wunden (GL 179, 1-4)
Schlusswort & Segen |
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